Deutschland, Einbeck, Kurzreise, Städtereisen, Städtetrips
Schreibe einen Kommentar

Einbeck, Fachwerkidyll zwischen Bockbier und Motorisierung

Fachwerkhäuser in Einbeck Niedersachsen

Einbeck in Niedersachsen: Blau machen oder sein, die Erfindung des Bockbieres, des Rades und die Motorisierung – Geschichte kann richtig Spaß machen. Andere Städte erfreuen Besucher wie mich vielleicht mit 10 verteilten Fachwerkhäusern, in Einbeck sind es derer 400! Die ganze historische Innenstadt ist voll davon! Und Motorfans kommen auch auf ihren Genuss!

Wir haben beim PS-Speicher geparkt. Motorfans erfahren im PS-Speicher, der Erlebnisausstellung rund um die Fortbewegung auf zwei Rädern, mehr über die ersten Fahrräder, Motorräder und Autos. Die Ausstellung ist so groß und faszinierend. Ich werde ihr einen eigenen Artikel widmen.

Wir schlendern die Straße entlang. Am Spielplatz neben der alten Stadtmauer spielen Kinder. Wir schreiten durch das Tor in die Tiedexer Straße und kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Fachwerk so weit das Auge reicht.

Erst einmal den Kopf wenden und heben, ein reich verzierter Erker. Dann fügt sich in der Straße ein Schmuckstück an das Andere. Wo andere Fachwerkhäuser dunkle Balken tragen, sind sie hier farbig verziert. Allein die Türen würden für einen Türenkalender reichen.rote Tür

Figürliche Motive, Wappen und Ranke – es dauert eine Weile, bis wir die Straße hinter uns lassen.

Die Tiedexer Straße führt automatisch zum hübschen Marktplatz mit dem Brunnen. Wer ist denn dieser Kerl auf dem Denkmal? Hier grüßt Till Eugenspiegel, den armen Hund Hopf am Nackenfell haltend.

Da wird doch der Hund in der Pfanne verrückt!

Mit Einbeck tief verbunden ist eine Geschichte, die sich rund um den Schelm Till Eulenspiegel rankt. Sie ist etwas grausig und nicht wirklich tierfreundlich. In der Bierstadt Einbeck verdingte sich Dil Ulenspiegel bei einem Bierbrauer. Für eine Hochzeit sollten große Mengen Bier hergestellt werden. Till sollte den Hopfen in einer Pfanne sieden. Der nicht gerade als Hundefreund bekannte Eulenspiegel warf den armen Hund des Brauers, namens Hopf in die Pfanne. Das seltsame Sprichwort soll aus dieser Legende abgeleitet sein. Einbeck Rathaus am Marktplatz

Die Geschichten des Till Eulenspiegels von Johannes Grüninger wurden zum Weltbestseller, die in viele Sprachen übersetzt wurden. Einbeck würdigt den Schelm mit einem Eulenspiegel-Brunnen auf dem Marktplatz sowie einem Eulenfest. Diesem und anderen Redewendungen wie z.B. „Jemanden Feuer unter dem Hintern machen“ kannst du bei einer Führung auf den Grund gehen.

Rund um den Marktplatz

Das Rathaus mit den drei spitzen Türmen sieht einzigartig aus. Es ist das Wahrzeichen der Stadt Einbeck. Daneben die Ratswaage mit dem alten Ellenmaß. Zu unserer Linken ist die alte Rats-Apotheke und das Brodhaus, das ehemalige Zunfthaus der Bäcker.Apotheke Einbeck

Inmitten dieser guten Stube der Stadt reihen sich Cafés an Restaurants zum entspannten Genießen des Fachwerkidylls. Wir gehen weiter und meine Kamera klickt unaufhörlich.

Das Eickesche Haus in der Marktstraße strotzt nur so vor Figuren wie kleine Putten, Frauen- und Tierköpfe. Das Stadtjuwel wurde 1612 erbaut. Es zeigt das Weltbild der damaligen Zeit mit den Tugenden, den Musen, fünf Sinnen, sieben freien Künsten und Planeten. Ich könnte Stunden davor stehen und es betrachten. Eickesche Haus

Die Touristinformation hat einen guten Plan mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zur Stadterkundung auf eigene Faust herausgegeben.

Blau machen in Einbeck

Blaumachen geht nicht nur an Montagen in dieser Stadt. Am Möncheplatz findest du noch einen der wenigen Blaudrucker, die Blaufärberei ist bereist seit 375 Jahren in der Stadt beheimatet. Der Betrieb ist seit dieser Zeit fest in Familienbesitz. Neben 800 geschnitzten Holzmodels wird die Herstellung des Blaudruckverfahrens gezeigt. Wenn ich das nächste Mal in der Stadt verweile, würde mich der Workshop reizen, bei dem jede/r Teilnehmer/in das eigene Textilstück kreieren kann.

Wenn Blau sein nützlich ist.

Amüsante Story am Rande, die heutige Biertrinker freuen würde. Der Begriff Blau sein wird auch auf die Handwerkskunst zurückgeführt. Indigoblau war einst einer der kostbarsten Farbstoffe aus Indien. Farbe wurde noch aus natürlichen Rohstoffen hergestellt. So wurde die Farbe aus der europäischen Färberpflanze in großen Bottichen mit Hilfe von Urin und Alkohol gelöst. Da der Alkohol zu kostbar war, um ihn hineinzuschütten, wurde er von Färbern vorher getrunken. Gefärbt wurde meist samstags. Dann wurden die Stoffstücke in die Sonne gehängt. Die Färber hatten am Montag nichts zu tun, sie machten blau.

Einbecker Bier und die Erfindung des Bocksbiers

In Einbeck wird bereits seit dem 14. Jahrhundert Bier gebraut. Das leckere regionale Bier wird in zahlreichen Sorten vom klassisch-herben Pils über saisonale Sorten im Mai oder an Weihnachten bis zum kräftigen Bockbier angeboten. Das Bockbier ist gar eine Einbecker Erfindung. Ein heimischer Braumeister hat dem ursprünglichen „Grubier“ Hopfen beigefügt, um es lager- und transportfähiger zu machen. Dem Export in alle Lande stand nichts mehr im Wege!

Es ist Wochenende, für die sicher interessante Brauereiführung ist keine Zeit, aber ein Bierchen in der GENUSSWERKSTATT, Am Tiedexer Tor 3b, (beim PS.Speicher) muss sein. Dazu gibt es ein Flat Bread mit Ziegenkäse, Feigen und Lauchzwiebeln für mich und eines mit Parmaschinken, Rucola und Kirschtomaten für die bessere Hälfte.Verzierung

Fazit:

Einbeck liegt an der Deutschen Fachwerkstraße. Die Stadt ist ideal für Freunde des Fachwerks, historisch Interessierte, die mehr über die damalige Zeit, ihre Sprüche und Legenden sowie die Erfindung des Fahrrades, Motorrades und Autos erfahren möchten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*