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Mit 50 Euro durch Indien, wie uns die Entwertung der Rupie traf

Entwertung der Rupie in Indien

Entwertung der Rupie, wie ich die Geldentwertung in Indien erlebt habe. Indien hat im November 2016 die 500er und 1000er Rupienscheine für ungültig erklärt, gerade einen Tag nachdem wir in Madras angekommen waren. Mit nur 50 Euro Bargeld in Rupien reisten wir drei Wochen durch das Land.

Der zugegebenermaßen etwas reißerische Titel „Mit 50 Euro durch Indien“ weißt nicht etwa auf eine billige Rucksacktour durch Indien hin mit Tipps zum Geld sparen. Nein, wir sind pauschal gereist. Dennoch traf auch uns die Geldentwertung, wenn auch nicht so schlimm wie die Inder selbst.

Einreise nach Indien, wie alles begann

Wir sind am 8. November 2016 mit einer Umsteigeverbindung in Chennai (Madras) gelandet. Nachdem wir die erstaunlich schnelle Abwicklung der Einreise hinter uns hatten, haben wir schnell ein wenig Geld für die ersten Tage gewechselt. Die Wechselkurse in Flughäfen sind häufig schlecht. Du willst aber etwas Kleingeld für Kofferträger usw. haben. Wir haben 3060 Rupien für 50 Euro erhalten (Wechselkurs 66,15 abzüglich 248 Rupie Gebühr). Da Rupien in Indien nicht ein- oder ausgeführt werden, bleibt dir nur der ATM-Schalter oder eine Wechselstube.

Es war später Nachmittag, wir wurden vom Reiseveranstalter abgeholt und in unser Hotel gebracht. Unser Reiseleiter informierte uns über viele Dinge für die Reise u.a. dass wir Rupien auch bei ihm oder in den Hotels wechseln können. Nach einem sehr scharfen Abendessen (die tamilische Küche ist bekannt dafür) fielen wir müde und glücklich ins Bett.

Die Entwertung der Rupie, 500 und 1000 Rupien werden ungültig

Wir müssen wohl süß in unseren Träumen gelegen haben, als der indische Ministerpräsident Narendra Modri um Mitternacht in einer 40-minütigen Ansprache an die indische Nation die 500er und 1000er Rupienscheine ab sofort für ungültig erklärt hat. Die Morgenzeitung hatten wir nicht gelesen, wir waren ja im Urlaub. Im Bus brach dann die ganze Information über uns hinein.

Ab sofort sind die Rupien im Wert von 500 und 100 ungültig. Die Banken und Geldautomaten sind für 2 Tage geschlossen. In dieser Zeit sollen sie mit neu gedruckten Geldscheinen bestückt werden. In der Anfangszeit dürfen nur Summen bis 2000 Rupien pro Tag abgehoben werden. Die alten Geldschein können am Flughafen getauscht werden.

Flughafen? Wir befinden uns auf einer Busrundreise und werden den Flughafen Bangalore erst am Ende der Reise sehen. Der ein oder andere Reisende scheint größere Summen für die Reise getauscht zu haben und reagiert entsprechend nervös. Eine kleine Diskussion bricht aus. Unser Reiseleiter versucht uns zu beruhigen, wir haben Halbpension, Getränke gibt es im Bus und wir sollen erst einmal abwarten. So ist die indische Gelassenheit, ändern können wir sowieso nichts. Recht hat er! indien-black-out

Black Out – 500 und 1000 Notes No Longer Valid

So titelt die „The Times of India“ am 09. November und gibt passende Ratschläge für den weiteren Umgang mit dem lieben Geld.

  • Bis zum 18.11.2016 können am Geldautomaten pro Person und Karte 2000 Rupien am Tag abgehoben werden.
  • Danach sind es 4000 Rupien bis 24.11.2016
  • Die bestehenden alten Scheine sollen in öffentlichen Krankenhäusern, Apotheken, bei Bahn und Bus, Flughafenschaltern und an der Zapfsäule der Tankscheine gültig sein.
  • Banken und Geldschalter sind geschlossen und werden erst ab Freitag mit erweiterten Zeiten geöffnet.
  • Bis zum 31.12.2016 ist der Wechsel der alten Geldscheine gegen Identitätsnachweis möglich. Das Geld wird auf das eigene indische Bankkonto, soweit vorhanden, überwiesen.
  • Ab dem 10.11.2016 soll es neue Rupienscheine im Wert von 500 und 2000 Rupien geben.
  • Zahlungen sind über Kreditkarte, EC-Karte oder Online-Banking möglich.

Ziel der Geldentwertung der großen Rupienscheine ist lt. Modi der Kampf gegen Korruption, Schwarzgeld und Steuerhinterziehung. Indien ist in weiten Teilen noch immer ein Markt des Bargeldes. Viele Käufe und Verkäufe werden nur in bar abgewickelt. Auf dieses Geld wird keine Steuern gezahlt. Allerdings sind 85 Prozent des Bargeldes in Indien 500 und 1000 Rupienscheine!

ATM – Another Time Money

Was wir in den nächsten Tagen unterwegs sehen, sind ewig lange Schlangen vor den Geldautomaten. Die Menschen stehen in glühender Sonne für viele Stunden an den ATMs, ohne zu wissen, ob sie Geld bekommen. Wenn der Automat leer ist, schließt die Bank. Viele versuchen es vergeblich bei mehreren Banken nacheinander. „ATM – Another time Money“ tituliert die Times of India die Situation.

So spielen sich landauf, landab auch Dramen ab. Menschen kollabieren nach langen Wartezeiten in der Hitze, andere haben nichts zu Essen und zu Trinken oder können keine Medikamente kaufen. Einige sterben z.B. an Herzinfarkt. Du musst dir das vorstellen, du hast Geld in der Hand und bekommst trotzdem nichts dafür! Auch den Geschäften geht das Wechselgeld aus. indien-atm-geldentwertung

Wie geht es den Indienreisenden bei der Entwertung der Rupie?

Wir Reisende sind dagegen in einer sehr guten Situation. Als Pauschalurlauber ist die ganze Reise vorab bezahlt. Wir haben Frühstück und Abendessen im Hotel. Im Bus können wir Wasser, Limonaden oder Bier kaufen und später mit Euro zahlen. Während des Tages hält der Bus an Tankstellen bzw. Coffeeshops unterwegs, an denen wir mit Kreditkarte zahlen können. Kleine Preisaufschläge sind für uns verkraftbar. Selbst unsere Getränke im Hotel zahlen wir nur noch mit Kreditkarte, was uns bei den kleinen Summen durchaus seltsam vorkommt.

Allerdings sitzen wir wie so viele auf unserem wenigen Bargeld und werden glatt ein bisschen knickerig. Keiner weiß, wann es neues gibt. In keinem Hotel können wir Geld tauschen. An den Banken sind so lange Warteschlangen, dass ein Anstehen für uns unmöglich erscheint. Wir versuchen immer mal wieder einen Geldautomaten ohne längere Schlangen zu finden, in der Regel sind diese jedoch leer.

Wir benötigen Bargeld für

  • die Fotogebühr, die in fast allen Tempeln zwischen 25 und 50 Rupien liegt
  • den Toilettengang
  • den Kauf von Souvenirs, Obst, Plätzchen, Ansichtskarten etc. bei den fliegenden Händlern.

Noch nie haben wir so wenige Souvenirs gekauft, obwohl es sehr schöne und günstige Sachen gab. Allein durch die vielen Fotogebühren zerrinnt das wenige Kleingeld nur so in unseren Fingern. Nichts Überflüssiges wird mehr gekauft! Da wir kein Mittagessen haben, wird auch der Kauf von Essen unterwegs schwierig.

Wo bin ich meine 500er Rupienscheine losgeworden?

Wir hatten nur vier entwertete Geldscheine. Einen konnte ich tatsächlich direkt an einer Zapfsäule der Tankstelle eintauschen. Das dauerte etwas, bis die Dame Wechselgeld von anderen Kunden hatte, aber es ging. Die drei anderen wurden in Souvenirgeschäften und bei einer Händlerin ausgegeben. Allerdings war die Summe damit so gut wie ganz weg. Selbst in den Hotels und Restaurants konnten wir nicht damit zahlen. Sie lagen wie Blei im Portemonnaie.

Wir haben außer den 50 Euro für zwei Personen in drei Wochen keinen einzigen Schein mehr gewechselt oder Geld gezogen. Die Entwertung der Rupie trifft die Bevölkerung viel schlimmer als uns.

Die neuen Rupienscheine mit einem Wert von 2000 Rupien habe ich nicht zu Gesicht bekommen, habe aber gehört, dass auch hier die Ausgabe mangels Wechselgeld schwierig ist.

Meine Geld-Tipps für eine Indienreise

Mit der Zeit wird sich die Situation in Indien verbessern. Wie lange das dauert, vermag ich nicht zu sagen. Wenn du jetzt reist, solltest du ein paar Vorkehrungen treffen.

  • Du solltest dein Geld breit streuen. Nimm dir US-Dollar in 1, 10 und 20 Dollarscheinen mit sowie Euro in 10 und 10er-Scheinen.
  • Es ist gut, wenn du zwei Kreditkarten dabei hast. Sicher ist sicher, falls eine mal nicht funktioniert.
  • Nimm deine Daten zur Barabhebung von Kreditkarte mit. Kläre vor der Reise mit deiner Bank, ob du auch Summen unter 50 Euro mit Kreditkarte bar abheben kannst.
  • Mit der EC-Karte habe ich einmal gezahlt, hatte aber 1 Euro Gebühr bei 150 Rupien. Meine Plätzchen haben damit 3 Euro gekostet, recht viel für Indien!
  • Wechsele kein Geld auf dem Schwarzmarkt, vor allem nimm keine günstigen Käufe von 500 oder 1000 Rupies an!

Wenn du mehr über die Hintergründe der Geldentwertung erfahren möchtest, dann empfehle ich dir die Seite Indien Heute.

Geschichten rund um den Geldverfall in Indien

Die Medien wie Fernehen und Tageszeitung sind voller Geschichten. Eine Obsthändlerin in Mysore verdient an einem normalen Tag 400 Rupien, in der erste Woche nach der Geldentwertung nur noch 100 Rupien. Die Preise für Obst und Gemüse fallen, weil weniger ausgegeben wird. Geschäfte schließen, da keiner etwas kauft. Selbst Zoos und Museen haben weniger Besucher. Wie mag es da erst den kleinen fliegenden Händlern gehen, wenn selbst wir kaum etwas kaufen?

In so manchem Tempel sind die Opferstöcke plötzlich voller entwerteter Scheine. Arbeiter werden mit alten Geld ausgezahlt und können ihre Miete nicht bezahlen oder Essen kaufen. Auf dem Schwarzmarkt verkauft jemand 1000er Rupienscheine für 300 Rupien.

Wir haben dagegen nur Luxusprobleme! Die Entwertung der Rupie trifft vor allem die Bevölkerung selbst. Indien, du hast noch einen beschwerlichen Weg vor dir! Wie wird es weiter gehen? Was machen die vielen Menschen, die kein Bankkonto haben? Der Tausch von alten Rupien in neue ist ohne Bankkonto unmöglich? Die Geldautomaten (ATMs) haben Probleme mit den neuen 2000-Rupienscheinen. Sie müssen von Hand neu programmiert werden, damit sie funktionieren. Formulare zum Tausch alter indischer Rupien

Wir erfahren, dass zum Umtausch der Rupien auch ein Formular benötigt wird, in welches alle Rupien mit ihren Nummern eingetragen werde müssen.

Blogger berichten über ihre Erfahrung mit der Geldentwertung in Indien

Interessant ist auch, was andere Blogger von ihren Erfahrungen vor Ort berichten. Steffen beschreibt seine unangenehmen Erlebnisse mit der Visabeantragung unter Anhalten und Wahrnehmen. 

Florian versucht sich in seinem Bericht „Bettler auf Reisen“ in die Lage der Armen in Indien zu versetzen. Mit nur 23 Rupien in der Tasche wacht er in Varanasi auf und muss sich dringend Geld beschaffen. Mehr unter Floctulus.

Warst du in Indien oder hast du Fragen und Anmerkungen? Her damit!

 

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  1. Pingback: Schweden ohne Bargeld, mein Selbstversuch auf einer Stockholmreise

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