Famagusta, Nordzypern, Türkei
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Famagusta, Othello und der Granatapfelbaum

Famagusta, das alte Magusa ist ein Tipp für Entdecker. Die Stadt in Nordzypern ist noch nicht von Touristen überlaufen und bietet neben historischen Schätzen eine ruhige Atmosphäre zwischen Granatapfelbäumen und süßen Leckereien. 

Es ist Mitte November, die Sonne strahlt vom Himmel. Wir haben noch rund 24 Grad Celsius. Der Shuttlebus unseres Hotels bringt uns in das nahe gelegene Famagusta. Wir fahren durch moderne Außenbezirke mit den üblichen Geschäften und Häusern Richtung Altstadt.

Das alte Magusa (Griechisch Ammóchostos, Türkisch Gazimağusa) hat, wie viele Hafenstädte, eine abwechslungsreiche Geschichte hinter sich. Völker kamen und gingen. Als Fischersiedlung Ammochostos (übersetzt die im Sand versteckte) gegründet, wuchs sie zu einer Stadt, als die Bewohner von Salamis hierher zogen. Im 13. Jahrhundert während der Kreuzzüge soll sie gar die reichste Stadt des östlichen Mittelmeeres und ein Außenposten der römisch-katholischen Kirche gewesen sein.

Famagusta Brunnen Zitadelle

Brunnen vor der Zitadelle

Die alte Zitadelle am Hafen von Famagusta – auf den Spuren von Othello

Am Hafen werden wir hinaus gelassen. Die alte Zitadelle, erbaut unter Heinrich II.,  ist von einem kleinen Park umgeben. Rund um die Altstadt führt eine mächtige Stadtmauer mit Toren und Türmen. Vom Othello-Turm (Otello-Kalesi) haben wir einen Rundblick auf den Hafen und die Stadt. Auf dem Turm und in der Zitadelle spielt Shakespeares tragische Geschichte der Desdemona. Sie soll auf Christoforo Moro, dem 67. Dogen von Venedig zurückgehen, der nach Zypern geschickt wurde, um die Insel vor dem türkischen Sultan zu verteidigen. Im Jahre 1508 eilte er zurück nach Venedig, nachdem seine Frau auf mysteriösen Umständen ums Leben gekommen war. (Quelle: William Shakespeare)

Es ist Nebensaison und wir haben die Stadt fast für uns. Keine Touristenmassen schieben sich durch die Gassen, wie wir es von anderen Städten gewohnt sind. Ungestört schlendern wir die Straße hinauf, vorbei an kleinen Geschäften mit Souvenirs, hübscher Mode sowie einigen netten Restaurants.

Kirchen und Moscheen in Famagusta

Zu unserer linken Seite dominiert die Lala-Mustafa-Pascha-Moschee den Platz, die einst als St. Nikolaos-Kathedrale erbaut wurde. Sie war die Krönungskathedrale der Kreuzfahrer unter Lusignan. Heute trägt sie den Namen des Eroberers Lala Mustafa Pascha, der 1570 die Stadt von den Venezianern. Es soll rund 22 Kirchen in Famagusta geben, die ein oder andere sehen wir allerdings nur als Ruinen.

Famagusta Lala-Mustafa-Pascha-Moschee

Lala-Mustafa-Pascha-Moschee

In den Seitengassen tragen die Granatapfelbäume rote Früchte. Sie sind die wahren Äpfel des Paradieses. Ihr süßer Saft wird an den Obstständen frisch gepresst zum Verkauf angeboten.

Famagusta Granatapfelbaum

Die Äpfel des Paradieses

Unter einem schattigen Baum nahe venezianischen Statthalterpalastes, dem Palazzo del Provveditore,  gönnen wir uns eine Erfrischungspause. In den Gärten blühen Blumen. Die Wäsche hängt auf der Leine. Kinder spielen in den Gassen.

Granatapfelsaft Famagusta

Saft aus Granatäpfeln

Die mächtige venezianische Stadtmauer Famagustas

Bei einem Stadttor gehen wir hinaus und blicken auf die gewaltige Stadtmauer, die in rund 3,5 Kilometern die Stadt umringt. Die Mauer aus der Zeit der Venezianer ist rund 18 Meter hoch und bis zu 9 Metern breit. Über dem Tor prangt der venezianische Löwe.

Famagusta Stadmauer

Der Stadtmauergraben

Essenstipp, das Restaurant Petek Pastahahni

Mein Liebling ist jedoch das Petek Pasthahani, ein Restaurant mit angeschlossener Konditorei. Was in den Auslagen der Konditorei an Torten, Kuchen, Baklava, Turkish Delight und anderen Süßwaren angeboten wird, lässt mich fast verzweifeln. Wie soll ich mich hier entscheiden und eine Auswahl treffen? Schau es dir selbst an!

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Die Konditorei liegt in der Yesil Deniz Sokak 1, direkt gegenüber der Festung. Von außen eher unscheinbar, findest du innen die süßesten Leckereien. Es gehört für mich unbedingt zu den Sehenswürdigkeiten Famagustas, die du nicht verpassen solltest. 😉 Nein, ich bekomme keine Provision!

Famagusta, die Grenzstadt

Famagusta liegt im Osten von Nordzypern, dem türkischen Teil der Insel, der vom Tourismus noch nicht so erschlossen ist. Im Süden grenzt an die Geisterstadt Varosha an, die seit der türkischen Besetzung 1974 in Trümmern liegt und nicht besucht werden darf. Hinter Famagusta liegt die Grenze zu Griechenland.

Rund 6 Kilometer von Famagusta entfernt liegt die Ruinenstadt Salamis, die durch die große Seeschlacht in die Geschichte einging.

Famagusta ist mit über 40.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Nordzyperns. Hier liegt der einzige Seehafen Nordzyperns. Die Stadt zieht mit ihrer Universität Studenten aus aller Welt an.

Eine deutschsprachige Broschüre über Famagusta und Salamis als PDF bietet das Fremdenverkehrsamt Nordzyperns.

Fazit: Was mir an Famagusta gefällt.

Im Gegensatz zu vielen Städten am Mittelmeer will Famagusta noch entdeckt werden. Gerade der Altstadtkern hat einen orientalischen Flair. Es schieben sich keine Touristenmassen durch den Ort. Die Bewohner sind freundlich aber zurückhaltend. Wir kommen gerne wieder!

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