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Fettnäpfchen im Schlosshotel – wie Gäste sich daneben benehmen.

Fettnäpfchen im Schlossrestaurant

Fettnäpfchen finden sich überall. In einem Schlosshotel der gehobenen Kategorie kannst du mit beiden Beinen hineinspringen. Bei mir war es nur ein Fuß aber immerhin! Was Agathe von Klanxbüll, Loriot und schmutzige Finger damit zu tun haben. Das Leben ist die beste Comedy!

Wer in die Welt geht, kann viele Geschichten erleben. Hape Kerkeling hat einmal gesagt, dass er viele Ideen zu seinen Sketchen im Café findet. Er muss nur die Menschen um sich herum beobachten. Das macht großen Spaß! Ob in der Bahn, auf der Straße, im Restaurant oder Hotel – die Menschen um dich herum erscheinen seltsam. Manchmal bist du auch selbst ungewollt Ursache lustiger, peinlicher oder schräger Geschichten. Die Fettnäpfchen lauern auf uns und warten nur darauf, dass wir hineintappen. Schau selbst!

Fettnäpfchen 1 – Loriots Geschichten findest du überall!

Nach einer erholsamen Nacht im Schlosshotel genießen wir morgens unser romantisches Champagnerfrühstück. Wir speisen im Schlossrestaurant. Der Raum ist gerade zu fürstlich. Dunkles Holz, Kronleuchter an der Decke, edelstes Porzellan auf dem Tisch, dazu silberne Kaffee- und Milchkännchen. Die Croissants sind warm und duften herrlich. Im Angebot sind auch süße Waffeln mit Ahornsirup, frische Früchte, alles was das Herz begehrt.

Der junge Kellner erklärt uns, dass alle Fruchtsäfte hier im Hause kurz vorher frisch gepresst werden und dass wir aus verschiedenen Sorten wählen können, auch bei den Äpfeln. Sie sollen so frisch wie möglich serviert werden, damit der Gast verwöhnt wird. Das ist doch mal etwas Anderes als Orangensaft aus Tüten! Ich durfte noch nie aus verschiedenen Apfelsorten wählen. Fettnäpfchen Frühstückstisch

Am Nebentisch sitzt eine Dame in Sportkleidung beim Frühstück. Sie scheint schon etwas länger im Schlosshotel zu wohnen. Man kennt sich. Der junge Ober tritt zu ihr mit den Worten: „Guten Morgen Frau Meyer-Hoffering. Ich hoffe, Sie haben wohl geruht. Ich habe mir erlaubt, Ihrem Gatten heute einen neuen Apfelsaft aus der Sorte Agathe von Klanxbüll zu kreieren. Dieser Apfel ist besonders aromatisch. Ich hoffe, es mundet ihm.“ Frau Meyer-Hoffering bedankt sich. Der Ober entfernt sich ruhig. „Donnerwetter“, denke ich, „was für ein exzellenter Sonderservice.“

Herr Hoffering erscheint. Wild ist sein Haar, der Jogginganzug bunt gemustert. Vielleicht trägt man das gerade in Paris oder London, wer weiß das schon! Der morgendliche Sport hat ihm eine gesunde rote Gesichtsfarbe gegeben. Er setzt sich an den Tisch. Ich bin gespannt, wie der Saft mundet.

Etwas scheint ihm heute anders zu erscheinen. „Was ist das?“, ruft er verärgert seiner Frau zu mit spitzem Finger auf den Apfelsaft deutend. Frau Meyer-Hoffering erklärt die Lage. Mit abgespreizten Fingern setzt Herr Hoffering das Glas voller Agathe von Klanxbüll an und nippt vorsichtig. Oh weh, er verzieht das Gesicht, spuckt den Saft wieder ins Glas, „Bäh, was ist das für ein scheußliches Zeug.“ rufend. Wir sind alle konsterniert über so einen ungewohnten Ausbruch von Unmut.

Mit hochrotem Kopf eilt der junge Ober heran. Man merkt, wie peinlich es ihm ist. Er entschuldigt sich für das Ungemach. „Ich bringe Ihnen sofort einen anderen Saft“. Eigentlich hätte ich über die Situation gerne herzhaft laut gelacht. Ich bewahre Contenance, ich traue mich nicht. Außer mir hat keiner der anderen Gäste Notiz von dieser Situation genommen.

Warum muss ich nur an den Sketch mit der  „Ostholsteinischen Flugente“ von Loriot denken? Das Leben schreibt doch die skurrilsten Geschichten, denke ich. Die Namen der Herrschaften sind selbstverständlich frei erfunden. Ob der Saft so oder anders hieß, bin ich mir nicht mehr sicher. Die Geschichte selbst hat sich wirklich so zugetragen!

Zitat: Anstand und Niveau lassen sich nicht mit Geld kaufen! Es liegt in dir selbst.

Fettnäpfchen 2 – fröhliches Herz in sauberem Gefährt!

Wir haben gefrühstückt, die Reisetasche ist gepackt. Wir gehen zur Rezeption und checken aus. Die Dame erkundigt sich höflich, ob alles zu unserer Zufriedenheit war. Was sollen wir dazu auch sagen. Ja, ja und ja! Als wir zu meinem kleinen blauen Auto gehen wollen, besteht sie darauf, dass das Gepäck vom Personal getragen wird. Das gehört zu einem Hotel dieser Klasse auf jeden Fall dazu.

Vergeblich versuche ich zu erklären, dass das nicht nötig ist. Die Tasche für eine Nacht ist klein und ich bin das nicht gewöhnt. Nichts zu machen! Ein junger Page in schicker Uniform erscheint und ….Er trägt blütenweiße Handschuhe. Au weia! Er greift sich die Tasche, wir eilen über den Parkplatz.

Am Auto will ich ihm die Tasche aus der Hand nehmen. Nicht möglich. Ich öffne den Kofferraum. Er legt sie hinein und schließt ihn. Upps! Jetzt hat er braune Handschuhe. Hätte ich bloß vorher das Auto gewaschen! Er lässt sich nichts anmerken. Mir ist das furchtbar peinlich. Ich gebe ihm Trinkgeld. Er bedankt sich höflich und wünscht uns eine gute Reise.

Reisezitat: Reise nicht nur mit fröhlichem Herzen, sondern auch im sauberem Gefährt und die Welt um dich herum wird glücklicher!

5 Kommentare

  1. Naja, wahrscheinlich hat’s da einen ganzen Handschuhschrank für die Pagen. 😉 Wobei es mir ja eh ein wenig unerklärlich ist, warum bei solch aushäusigen Verrichtungen vom Personal Handschuhe getragen werden; richtig verstehe ich das eigentlich nur beim Hantieren mit poliertem Geschirr bzw. Gläsern, wegen der Fingerabdrücke halt. (Es sei denn, man geht dort davon aus, dass jegliche Fahrzeuge auch so blankgescheuert sind, dass Fingerabdrücke an Autotüren/Kofferraumhauben etc. ebenfalls sofort auffallen, wobei: wir leben in direkter Nähe zu einem Golf-Sternehotel; da stehen immer auffällig viele sehr teure Wagen rum, aber die sehen auch alle nur ganz „normalgepflegt“ aus und nicht nach täglicher Politur mit Samthandschuhen. [Oder aber man vermutet, dass vielleicht gar das Gros der Klientel sein Geld mit schmutzigen Geschäften verdient und will tunlichst da an keinerlei Besitztümern Fingerabdrücke hinterlassen, „wir haben in diesem Koffer eine zerstückelte Leiche gefunden, die in diesem Wagen transportiert wurde und wissen Sie was, Page Peter? Auf Beiden waren Ihre Fingerabdrücke!“])

    LG,
    Tanja

  2. Reisefieber sagt

    Liebe Tanja,
    ein Handschuhschrank für Pagen, wie süß! Ich habe so etwas vorher auch noch nie gesehen. Bei deinem Hinweis auf schmutzige Geschäften und Fingerabdrücke laufen bei mir sofort ganze Bilderserien im Kopf ab. Für einen Krimi würde es reichen! Der Mörder war nicht der Gärtner, sondern der Page Peter. 🙂

    Vielen Dank für den witzigen Kommentar. Man merkt eindeutig, du liest sehr viel!
    Liebe Grüße
    Renate

  3. Renate, da habe ich jetzt aber schön gelacht 😉 Die Geschichte mit dem Apfelsaft ist ja super! Ich wäre auf die Reaktion gespannt gewesen, wenn du tatsächlich gelacht hättest, kann aber auch verstehen, dass du dich zurückgenommen hast. Vielleicht wäre es dem Apfelsaftüberbringer sonst noch peinlicher gewesen …

    Und das mit dem Auto … oh je, da sagst du was. Meins sieht auch schon wieder aus …

    Ich freue mich auf weitere schöne Geschichten auch aus Cafés und Restaurants.

    Liebe Grüße
    Berit

    • Reisefieber sagt

      Liebe Berit,
      ja weißt du, da versuche ich mich in ungewohntem Terrain zu benehmen und nicht aufzufallen und dann so etwas! Das war definitiv Live-Kabarett und ich hätte mir eine Spycam gewünscht.

      Ich halte die Augen in Cafés, Restaurants und auf der Straße offen. Wer weiß, was noch so passiert. 😉

      Liebe Grüße
      Renate

  4. herzlichen Dank für deine Fettnäpfchen – da ich etwas ähnliches vor Kurzem selbst verfasst habe, musste ich einfach lesen. Und ich hab herzlich lachen müssen.

    Finde es immer wieder beruhigend, wenn auch andere Menschen einen ähnlichen Blick haben oder solche Situationen beobachten 🙂 Bitte mehr davon – einen „Wiedergänger“ für Deine Seite hast Du gerade gewonnen, ich komme definitiv wieder vorbei.. so, jetzt geh ich weiterschmökern 🙂

    Hier meine Fettnäpfchensammlung:
    http://www.le-mie-foto.de/brutta-figura

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