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Nikosia die geteilte Stadt – Mauer, Moschee und Grüne Linie

Nikosia die geteilte Stadt

Nikosia ist eine geteilte Stadt, die Green Line bildet die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei. In Deutschland haben wir seit dem Mauerfall die Trennung überwunden. In Zypern werden Mauertouristen noch fündig! Unser Spaziergang führt zu beiden Teilen der Stadt. Wie fühlt es sich an?

Ich war vor der Wende nie in Berlin und habe so die Mauer und die geteilte Stadt nie erlebt. Um so neugieriger bin ich auf die Stadt Nikosia auf Nordzypern, die ein ähnliches Schicksal erlitten hat. Hier kannst du das Gefühl der Trennung noch hautnah miterleben. Wir haben von Salamis aus einen Tagesausflug mit dem Bus gebucht.

Das Samanbahçe Viertel

Unser erster Weg führt in das Samanbahçe Viertel. Die einfachen, weißen Häuser wurden einst für Arme gebaut. Einkommensschwachen Schichten der Bevölkerung sollte bezahlbarer Wohnraum geboten werden. Die einstöckigen Häuser bestehen aus verputzen Lehmziegeln. Heute wirken die schmalen, autofreien Gassen richtig idyllisch. Wie aus einer anderen Zeit! In den Tontöpfen gedeihen Blumen und Kräuter. Nikosia Samanbahce Viertel

Katzen streifen entlang der Mauern oder halten ein Nickerchen. Die Einwohner des Viertels sind in die Jahre gekommen. Es geht geruhsam zu, man kennt die Nachbarn. Das Wohnviertel besteht aus fünf Reihen zwischen der Girne-Straße und dem Atatürk-Platz.

Nikosia Katze

Vom Busparkplatz aus gehen wir zu Fuß weiter am Atatürk-Platz vorbei Richtung Altstadt. Die Straßen werden enger. Wir finden noch Bauwerke aus osmanischer Zeit.

Die alte Karavanserail 

Die alte Karavanserail Büyük Han bot früher den Kamelkarawanen ein schützendes Nachtquartier. Das Gebäude wurde liebevoll restauriert. Im unteren Bereich findest du ein hübsches Café sowie verschiedene Kunstartikelgeschäfte. Die Händler bieten hübsche individuelle Artikel abseits der Massensouvenirs. Manchen Handwerkern können wir bei der Arbeit zuschauen. Ich erstehe eine geflochtene Kette mit bemalten Tonrosen.

Nikosia Karavanserail

Hier wäre ich gerne noch etwas länger sitzen geblieben. Ich stelle mir den Platz an einem lauschigen Abend sehr romantisch vor!

Die osmanische Welt

Vor dem Betreten der Selimiye Moschee ziehen wir unsere Schuhe aus. Ich binde mir ein Tuch um den Kopf, das ich für solche Zwecke immer mit mir führe. Die Moschee wurde als St. Sophienkathedrale im gotischen Stil erbaut. Hier wurden einst die Könige gekrönt. Die beiden schlanken Minarette hat sie erst später bekommen.

Nikosia Moschee

Wir spazieren über weiche rote Teppiche. Die Wände strahlen in leuchtendem Weiß, an der Seite liegt ein handgeschriebener goldverzierter Koran aus. Die Moschee wirkt schlicht aber schön. Das Museum der türkischen Volkskunst nebenan bietet zu festen Uhrzeiten Derwischtänze. Diese mystischen Tänze habe ich schon in Istanbul bestaunt.

Im Derwisch Pascha Haus ist ein Volkskundemuseum untergebracht. Wir bekommen einen Einblick in das Leben einer wohlhabenden osmanischen Familie des 19. Jahrhunderts mit original Mobiliar, Trachten und Hausrat. Vom Dachgarten schweift der Blick weit über die Stadt bis zum griechischen Teil.

In den schmalen Gassen rund um die Moschee finden wir kleine Geschäfte mit den typischen Souvenirs wie nachgemachte Bekleidung, Schuhe, Taschen usw. Die nahe Markthalle Belediye Pazari bietet Obst und Gemüse, Tee, Gewürze, Bekleidung und nette Kleinigkeiten. Der Basar ist nett, aber nicht wirklich spektakulär was den Baustil betrifft.

Nikosia Basar

Mir gefällt der türkische Teil Nikosias richtig gut. Er hat noch Flair und will entdeckt werden. Nach dem Mittagessen wollen wir den griechischen Teil entdecken.

Nikosia, ein Paar Hintergründe der Teilung

Zypern wurde 1960 in die Unabhängigkeit entlassen. Im Dezember 1963 kam es in Nikosia zu Kämpfen zwischen dem griechischen und türkischen Teil der Bevölkerung. Es wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der von UN-Truppen bewacht wurde. Eine Grenze, die Green Line, trennt die beiden Stadtteile in den griechischen Teil Lefkosía und den türkischen Teil Lefkoşa. Ihr Name Green Line weist darauf hin, dass ein UN-Offizier damals eine grüne Linie auf den Stadtplan eingezeichnet hat. Im Jahre 1974 marschierte die türkische Armee ein. Seit dieser Zeit ist die Insel Zypern und mir ihr die Stadt Nikosia geteilt.

Überquere die grüne Linie

Die Grenze selbst ist keine Mauer. Deutlich erkennbar sind jedoch die kaputten Häuser, die im türkischen Teil entlang führen. Du findest noch Einschussstellen und Stacheldraht. Manche Gebäude sind dem Verfall überlassen, verziert durch Graffiti. Eine morbide Atmosphäre liegt darüber. Sie lässt mich an Gangsterfilme denken. Spielen doch dramatische Szenen immer in dunklen, einsamen Gassen.

Nikosia die Mauer

In der Ledrastraße, Teil der Altstadt, befindet sich der Checkpoint für Fußgänger. Unser türkischer Reiseleiter darf nicht in den griechischen Teil. Für uns Europäer ist der Übergang durch die Passkontrolle problemlos. In der Ledrastraße haben die Kämpfe 1963 begonnen. Eine Wiedervereinigung ist nicht in Sicht.

Der griechische Teil Nikosias

Hinter dem Checkpoint wandelt sich das Bild der Ledrastraße schlagartig. Aus einer kleinen gemütlichen Straße wird eine westliche Fußgängerzone mit den üblichen Geschäften wie sie überall in der Welt zu finden sind. Auch Mac Donald ist wieder zu finden. Am Ende einer Straße finden wir das Café Berlin, das direkt an die Greenline gebaut ist. Die Mauer lässt grüßen!

Nikosia Cafe Berlin

Ein Stück Berlin in Nikosia, das Kebab House als völkerverbindender Treffpunkt. Das hat doch etwas!

Uns bleibt nur eine knappe Stunde für den griechischen Teil der Stadt, der wir hiermit keinesfalls gerecht werden. Unsere Eindrücke betreffen nur die Fußgängerzone und einige wenige Seitenstraßen. Aber wir würden gerne wiederkommen! 

Weitere Informationen zu Nikosia findest du unter Cyprus Tourism Organisation (griechischter Teil) und Lefkosa (türkischer Teil).

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