Motivation, Reisegeschichten
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Reisen als Konkurrenzkampf – was treibt dich an?

Mein Auto, mein Haus, mein Urlaub – verkommt das Reisen zum Konkurrenzkampf? Exotischer, weiter, luxuriöser – reisen wir um Freude zu haben und das Leben zu genießen oder um die lieben Nachbarn und Kollegen zu beeindrucken? Gedanken ums Reisen.

„Warst du schon in….? Das ist gar nichts! Ich war letzt in … und habe das und das erlebt“. Kommen dir solche Sätze bekannt vor? Wollen wir mit unseren Reisezielen prahlen? Kann es nicht mehr weit genug sein? Ellen vom Reiseblog Patrota, Passion for Travel, hat diese Frage aufgerufen, zu der ich mir gerne Gedanken mache. Es soll ja durchaus Menschen geben, die mit ihren Reisen beeindrucken wollen. Lohnt sich das überhaupt?

Süchtig nach Reiseerlebnissen

Als ich jung war, habe ich mir häufig mit meiner Mutter Diavorträge über fremde Länder angeschaut. Die Bilder mussten nicht technisch perfekt sein, die Erlebnisse faszinierten mich. Wenn dann der Reisende auch noch spannend von seiner Reise über die Panamerikana erzählen konnte, hatte ich fast das Gefühl, selbst mitgereist zu sein. Zu dem Zeitpunkt bin ich nie weit weg gewesen. Ich habe den Vortrag nie als Angabe empfunden.

Ich verschlinge Bücher mit Reisegeschichten, schaue Reisesendungen im Fernsehen einfach aus Neugierde. Die Welt ist so groß und spannend, ich kann gar nicht über all hinreisen. Manchmal lese ich Bücher über anstrengende Reisen wie den „Journeyman, ohne Geld um die Welt“. Er hat überall für eine Unterkunft und Essen gearbeitet, selbst wenn es nur eine Matratze auf dem Boden war. Es liest sich gut, so würde ich aber nie reisen wollen.

Eins steht für mich fest, Reisen macht süchtig! Du bist neugierig, lernst ein neues Land oder eine Stadt kennen und schwupp, hast du wieder neue Ideen. Kaum hast du ein Ziel gesehen, finden sich 10 neue Reisewünsche.

Was bedeutet mir das Reisen?

Kennst du das auch, diesen Drang mal wieder unterwegs zu sein? Raus aus der Enge des Alltags oder der Monotonie und hinein in das nächste Erlebnis? Für mich müssen die Reiseziele nicht weit weg sein. Deutschland ist schön! Ich schaue mir genau so gerne Städte und Gegenden in Deutschland an, als wie in weit entfernten Ländern.

Es ist mehr das Unterwegssein. „On the Road“ wie es so schön heißt, ich liebe das Reisen an sich. Ich mag nicht jedes Jahr im gleichen Ort am selben Strand liegen. Ich bin offen für Neues, möchte etwas sehen und erleben – eine fremde Stadt, Kulturvielfalt, fremde Küche. Wie leben die Menschen dort? Was macht sie glücklich? Ich habe einfach das Reisegen und das schon seit der Kindheit. Kaum bin ich aus dem Urlaub zurück, plane ich die nächste Reise.

Will ich mit meinen Reisen angeben?

Wenn du von deiner Reise zurückkommst, willst du am liebsten deine Erlebnisse mit anderen teilen. Da sind all die verrückten, lustigen, schönen oder schlechten Erfahrungen, die wollen einfach raus. Da ist es mir schon passiert, dass ich bei der Frage, „Wie war dein Urlaub?“ einfach losgeplappert habe. Ich war einfach so begeistert und voller Freude, das wollte ich teilen. Schon bald habe ich festgestellt, dass das andere einfach nicht interessiert. Sie waren eher genervt! Vielleicht haben sie das als Angabe interpretiert, ich weiß es nicht.

Mir selbst ging es mehr um die Erlebnisse und da ist es völlig egal, ob sie im Park um die Ecke oder im Urwald von „Hatschiborengo“ stattgefunden habe. Ich liebe es, wenn andere von ihren Erlebnissen berichten, schaue mir gerne die Bilder an. Vorausgesetzt, sie bestehen nicht nur aus Selfies. „Schau mal, ich vor dem Buckingham Palace. Ich am Times Square, ich am Südseestrand“. Wenn interessiert das? Ich muss mir oder anderen nicht mit einem Foto beweisen, dass ich wirklich da war. Liebe Leute, das geht auch mit Photoshop!

Selfie vor dem Tadsch Mahal

Selfie vor dem Tadsch Mahal

Welche Reiseträume habe ich mir erfüllen können?

Soll ich hier wirklich etwas auflisten? Ist das nicht dann doch Angabe? Leute, ich war schon am Ende der Welt (Scherz). Das kann auch in einem kleinen Hunsrückdorf liegen. Sagen wir es mal so, ich reise schon seit über 40 Jahren. Da kommt einiges an Reisezielen zusammen. Es sind wohl so 52 verschiedene unterschiedliche Länder. Der Reiz liegt in der Vielfalt z.B. die unbeschreibliche Schönheit der Natur wie kalbende Gletscher in Alaska, die Fjorde Norwegens, Nationalparks in USA oder die tosenden Wasserfälle in Kanada und Brasilien. Ich liebe faszinierende Städte wie New York, Rio, Salvador da Bahia, London, Hamburg oder Gelsenkirchen. Spaß habe ich auch beim Ansehen von Tempeln, Moscheen, Kirchen, Palästen oder Burgen. Ich merke schon, ich gerate wieder ins Schwelgen.

Welcher Reisetraum fehlt noch?

Ach, da sind durchaus noch kleine und große Wünsche. Die Zeit wird immer knapper, ich werde ja nicht jünger. Ob ich in 10 – 15 Jahren noch in den Flieger steigen will, wer weiß das schon? Hawaii wäre schön, die Südsee ein ferner Traum. In Asien fehlen mir noch einige Länder wie China, Japan, Malaysia, Myanmar oder Laos. Früher wollte ich mal nach Australien. Ich hatte eine Brieffreundin dort. Heute bin ich mir nicht mehr so sicher, ob mir das noch wichtig ist.

Ich würde gerne in einem Höhlenhotel, Überwasserbungalow, Baumhaus, Zirkuswagen oder sonstigen außergewöhnlichen Unterkünften übernachten!

Warum sind Träume so wichtig?

Es geht im Leben nicht um eine Bucket List. Ohne Ziele oder Wünsche strengst du dich nicht an. Der Sänger Todd Snyder beschreibt es in seinem Song „Enjoy yourself“ so schön: „Habe Spaß, es ist später als du denkst. Die Jahre gehen so schnell vorbei wie ein Augenblick. Nächstes Jahr mache ich die große Reise, den großen Trip. Doch wie weit wirst du Reisen, wenn du unter der Erde liegst.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Genieße das Leben, ob auf dem Campingplatz am See oder wo immer in der Welt.

Fazit: Reisen als prahlerische Angabe

Für mich selbst auf keinem Fall. Das lohnt sich nicht! Ich reise, weil es mir Freude bereitet, und spare an vielen anderen Dingen wie Klamotten, Schmuck, teurem Auto, schicke Einbauküche und hochpreisige Möbel. Das brauche ich alles nicht! Sachwerte vergehen letzten Endes, meine Erlebnisse kann mir keiner mehr nehmen. Wir machen keine Luxusreisen. Es muss nicht das schickste Hotel sein. Es sind mehr die Erlebnisse. Reisen kostet halt Geld, da sparen wir das ganze Jahr für.

Meine Freunde und Kollegen werden nicht mehr mit Reiseerlebnissen genervt. Dafür habe ich meinen Blog, wobei ich eher versuche, Tipps zu geben oder Geschichten zu erzählen. Ich freue mich, wenn es den Leser/innen gefällt und schlimmstenfalls – Du musst es nicht lesen, wenn du nicht magst.

Dieser Beitrag nimmt an der Blogparade von PATOTA teil. Ich stimme mit Ellen überein, dass auch ich mich unterwegs sehr lebendig fühle. Ich werde nicht mehr verplant und habe das Gefühl, endlich richtig zu leben. Weitere Beiträge und Gedanken findest du auf ihrer Seite.

Was ist deine Meinung dazu? Was treibt dich an? Ich bin neugierig.

8 Kommentare

  1. Reisen ist für mich die Auszeit vom Alltag, dafür benötige ich keinen Antrieb. Der Wunsch ist einfach da. Nur muss es nicht immer in die Ferne gehen. Eine schöne Auszeit kann man auch in Deutschland oder sogar ganz in der Nähe des Wohnortes haben z. B. in einem Park. Es liegt an jedem selbst was er mit seiner Reise macht und wie er sich die Auszeit verschafft. Ich gönne jedem eine Weltreise, Fernreisen oder auch Luxushotels – dass muss man für sich entscheiden. Reiseberichte wollen nach meiner Erfahrung oft nur die Leute hören, die für alles offen sind. Wenn ich einem Fernreisenden erzähle, dass ich einen schönen Ausflug in die Eifel gemacht habe, dann höre ich nur „ach ja?“ und merke, da war ich beim falschen Empfänger gewesen 🙂 Die Konkurrenzkämpfe finden leider immer mehr statt. Ich höre oft, dass man für einen tollen Urlaub unbedingt ein Riesenpaket an Highlights – am besten weit weg – erleben muss, sonst war es kein Urlaub. Blödsinn kann ich nur sagen. Überall kann es schön sein, wir müssen nur die Augen dafür öffnen. In diesem Sinne…noch viel Spaß beim Reisen!
    Liebe Grüße
    Iris

    • Reisefieber sagt

      Liebe Iris,
      ich bin für alles offen! 🙂 Lieben Dank für deinen Kommentar. Ich sehe das auch so. Meine Region, Rheinland-Pfalz, hat z.B. wunderschöne Ecken z.B. am Rhein, in der Eifel oder wo auch immer. Ich bin manchmal rastlos, dann muss ich los und mal wo anders entlang laufen. Das kann auch der Park im Nachbarort sein. Ich freue mich über die kleinen Dinge genau so, wie über die großen.

      Liebe Grüße
      Renate

  2. Liebe Renate
    Vielen Dank für Deinen tollen Beitrag. Ich sehe das ganz ähnlich wie Du. Auch ich verzichte gerne auf teure Dinge im Alltag und spare das Geld lieber für unsere Reisen. Es ist mir ein inneres Bedürfnis diese Welt kennenzulernen. Darum höre und lese ich auch gerne Reiseberichte Anderer.
    In diesem Sinne bin ich gespannt auf Deine weiteren Wege und ich wünsche Dir viele schöne Erlebnisse!
    Liebe Grüsse,
    Ellen

    • Reisefieber sagt

      Liebe Ellen,

      und das Sparen lohnt sich für all die schönen Erlebnisse und Reisen. Ich wünsche auch dir noch viele schöne Reisen und Reisegeschichten. Danke für die Idee mit der Blogparade.

      Liebe Grüße
      Renate

  3. Hallo Renate,
    sehr interessanter Artikel, auf den ich durch Zufall gestoßen bin (Travelbook). Ich habe das gleiche Gefühl wie du. Viele Menschen reisen anscheinend nur noch, um auf Facebook und co. angeben zu können. Manchmal sieht es so aus, als ob Touristen sich die Sehenswürdigkeiten nur noch auf dem Bildschirm ihres Handy angucken – ist das Foto gemacht, kann man weitergehen!
    LG und weiterhin schöne Reisen,
    Roman

    • Reisefieber sagt

      Hallo Roman,
      stimmt völlig! Ich bin auch schon einmal ohne Kamera und Handy gereist. Es kann sehr erholsam sein, sich intensiv auf sein Reiseziel einzulassen. Auch zielloses Schlendern in einer Stadt kann faszinierend sein. Du lernst völlig neue Seiten kennen.Als Blogger brauche ich dann aber doch ein paar Fotos. 😉
      Auch dir noch viele schöne Reisen.
      Lieben Gruß
      Renate

  4. Schöner Beitrag 🙂 Bin auch zufällig auf Travelbook darauf gestoßen und regt zum überlegen an. Ich selber reise einfach, weil ich am liebsten alles sehen will und es so faszinierend finde, dass wir in Österreich Berge bis zum umfallen haben und an anderen Orten gibt es traumhafte Strände, Vulkane, schwarzen Sand, grüne Seen und was weiß ich alles. Diese Vielfalt macht’s finde ich immer aus. Ich erzähle meist daheim überhaupt nicht von den Reisen (außer meiner Mama), weil es ohnehin keinen interessiert.
    Und wegen der Fotos: Wenn ich mal keine Lust habe auf Reisen zu fotografieren, dann mach ich meist nur der Erinnerungen wegen ein paar Bilder. Aber ich fotografiere gerne und bin da auch gerne kreativ und mir macht das auch Spaß 🙂 Und ein bisschen stolz bin ich ehrlich gesagt schon auf ein paar der Fotos und die zeige ich dann auch gerne her 🙂 Und damit will ich absolut nicht angeben – ich freu mich umgekehrt auch wenn ich Momente von anderen sehe, egal ob auf Reisen oder mit Kindern oder von Hochzeiten 🙂
    lg Sabi

    • Reisefieber sagt

      Liebe Sabi,
      vielen Dank! Ja, die Vielseitigkeit gefällt mir auch so gut. Ich freue mich immer über Abwechslung seien es Wüsten, das Meer, die Berge, kleine nette Ort oder Städte. Ist doch klasse, dass es so viel Verschiedenes gibt.

      Ich fotografiere auch sehr gerne, nur ich selbst bin eher selten auf Bildern.

      LG
      Renate

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