Reiseplanung, Schweden, Städtereisen
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Schweden ohne Bargeld, ein Selbstversuch

Portemonnaie mit Bargeld, Münzen, Scheinen und Karten

Schweden schafft das Bargeld ab, so lautete eine Pressemeldung vor einem Jahr, die mich aufhorchen ließ. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen. Wie soll das gehen? Wie kaufe ich ein, womit soll ich bezahlen? Ich hätte damals nicht gedacht, dass dies auch mal mich persönlich betreffen würde – bis zu meiner Stockholmreise.

Eine Woche Stockholm war gebucht. Mit dieser Stadt verbindet mich meine Ausbildung Ende der Siebziger. Die Geschäftsführung meines Arbeitgebers kam aus Stockholm, ein Foto der Stadt hing in der Chefetage. Schon damals plante ich, mir Stockholm einmal anzusehen. Wer hätte gedacht, dass es so lange dauern würde?

Die Anreise nach Stockholm

Flug und Hotelschiff waren gebucht. Den Transfer in die Stadt hatte ich wohlweislich im Internet besorgt. Die Karten für den Arlanda-Express, den Schnellzug in die Innenstadt, gab es sogar bedeutend preiswerter im Vorverkauf. Den restlichen Weg zu unserem Hotelschiff in Södermalm konnten wir bequem zu Fuß erreichen.

Tipp: Die Anreise mit vom Arlanda-Express gibt von donnerstags bis sonntags preiswerter.

Bargeldlos in Stockholm?

Ich hatte mich vorab etwas in das Thema eingelesen, war aber doch skeptisch. Die Informationen, die ich fand, waren auch widersprüchlich. Mal hieß es, man solle unbedingt auch die Geheimnummer der Kreditkarte mitnehmen, wie bei beim Geldabheben am Automat. Bisher hatte ich das nie gebraucht. Dann las ich, dass die EC-Karte in Schweden nicht akzeptiert würde. „Das kann ja heiter werden!“, dachte ich mir. Jedenfalls hatte ich kein Geld gewechselt.

Wie habe ich bezahlt?

Das Essen im Restaurant, ein Kaffee, die leckeren Zimtschnecken – alles wurde mit Kreditkarte bezahlt, und zwar meist ohne Unterschrift oder Geheimnummer. Selbst kleine Beträge zahlt jeder mit der Kreditkarte, das ist in Schweden gang und gäbe. Lustig war es im Supermarkt, wir hatten noch Restgeld an schwedischen Kronen aus den Vorjahren. Ich wollte eine Flasche Mineralwasser kaufen und musste feststellen, dass auch in Schweden eine Geldentwertung stattgefunden hatte und die Kronen keinen Wert mehr hatten. Eine Flasche Wasser mit Kreditkarte – Wahnsinn! Aber das Thema Geldentwertung kannte ich schon von meiner Indienreise.

Lustig war es beim thailändischen Buffetrestaurant. Am Eingang stand ein Automat. Jeder Gast drückte die gewünschte Bestellung und zahlte dann mit Kreditkarte. Hier war das einzige Mal, dass das ohne Nummer nicht funktionierte. Aber die Asiaten sind ja flexibel, wenn es um Service geht! An der Theke wurde meine Kreditkarte durch die Maschine gezogen. Fertig!

Der Wochenmarkt mit Kreditkartenzahlung

Die Stände am Obst- und Gemüsemarkt waren voller frischer Pfifferlinge, die hübsch aufgeschichtet waren. Beerenobst in Hülle und Fülle. Jeder Standbesitzer hatte die gesamten Zahlarten aufgelistet. Es ging kaum Bargeld über die Theke.

Eintritte und Co.

Die Eintritte in Sehenswürdigkeiten, Museen, das Kino – alles wurde mit Kreditkarte bezahlt. Für das ABBA-Museum ist das sogar nicht anders möglich. Dort wird kein Bargeld genommen. Im Kino hätte ich auch mit EC-Karte zahlen können.

Öffentliche Verkehrsmittel

Mach dich darauf gefasst, in Stockholm kannst du nicht im Bus, den Fähren oder der U-Bahn (Tunnelbana) direkt bezahlen! Für den öffentlichen Nahverkehr musst du dir die Fahrkarten im Voraus besorgen. Diese bekommst du in SL-Centern, an U-Bahnsteigen, an Zeitungskiosken oder via SMS. Es ist bedeutend preiswerter eine SL Card zu kaufen. Diese wird mit dem Betrag aufgeladen. Wer die Karte am Automaten mit Kreditkarte kauft, spart Geld. Am Schalter und mit Barzahlung werden die Karten teurer. Setze dich unbedingt vor der Reise mit dem System auseinander!

Ausführliche Informationen zu den öffentlichen Verkehrsmitteln und der Zahlung findest du unter Stockholms Locaktrafik.

Habe ich in Schweden Bargeld gebraucht?

Jein, ich habe in der ganzen Woche nicht einmal bar bezahlt. Bei den Toilettenhäuschen wäre Bargeld gut gewesen. Selbst in den Kaufhäusern waren die Toiletten nicht kostenlos, wie bei uns. Auch den Straßenmusikern hätte ich gerne mal Trinkgeld gegeben, was so nicht möglich war. Mit dem Trinkgeld war es sowieso schwierig. Die Zahlungen wurden immer direkt über das System durchgeführt.

Mein Tipp, zum Zahlen in Schweden

Wenn du bisher noch keine Kreditkarte hast, schaffe dir vor deiner Reise unbedingt eine an. Diese gibt es mittlerweile auch kostenlos bei verschiedenen Banken. Das wird dir den Aufenthalt sehr erleichtern. Vertraue nicht darauf, dass du mit der EC-Karte oder Barem zahlen kannst. Das funktioniert eher selten. Prüfe auch vorher, ob die Kreditkarte für Schweden freigeschaltet ist. Merke dir zur Sicherheit auch deine Pin für die Kreditkarte.

Tausche keine Euros in Schwedische Kronen um oder wenn nur eine geringe Menge. Du wirst sie kaum brauchen. Prüfe bei deiner Bank, ob du für die Zahlung mit der EC-Karte (Maestro) für jede Transaktion Gebühren zahlen musst. Das könnten zwischen 1 bis 4 %  für den Auslandseinsatz sein. Dann wird die Kreditkartenzahlung auf jeden Fall billiger!

Viele Schweden zahlen mit einer Smartphone App namens Swish, die aber nur für Einheimische funktionieren soll, die auch ein Bankkonto in Schweden haben.

Die Nachteile des Bargeldlosenzahlens

Der Bürger wird noch gläserner als er eh schon ist. Jede Zahlung, die du tätigst, kann nachvollzogen werden. Im Urlaub mag das kein Problem sein aber will ich das auch hier in meinem Leben? Auch in Schweden entzweit das Thema Bargeld die Gesellschaft. Wer genug verdient und eine Karte hat, sieht meist keine Probleme. Aus dem Raster fallen Obdachlose, Arbeitslose oder Migranten. Die Anzahl der Bankautomaten wurde im Land schon erheblich reduziert. Bis 2030 will man in Schweden das Bargeld abschaffen.

Wie siehst du das? Bist du eher für oder gegen ein bargeldloses Zahlen?

2 Kommentare

  1. Hallo Renate,
    Ein hochbrisantes Thema, welches Du hier aufgreifst. Grenze ich die Gedanken aus Science-Fiction-Filmen aus und grenze ich Cyber-Terror von Staaten und Kriminellen aus, kann eine Vernichtung deines Geldes binnen acht Minuten, morgen, in einem Jahr oder auch später erfolgen. Ich denke an das Carrington-Ereignis im Jahr 1859. Die Einführung des einhundertprozentigen bargeldlosen Zahlungsverkehrs vergleiche ich mit der Jungfernfahrt der Titanic im Jahr 1912. Das die Fahrt den Atlantik als unsinkbares Schiff übequeren sollte. Damals war es ein zu spät erkannter Eisberg. Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr ist es vielleicht eine zu spät erkannte Sonneneruption.

    Mein zweiter Gedanke dazu ist, die damit einhergehende Unfreiheit der Menschen. Bertachte ich die bisher vom Geldsystem ausgegrenzten Menschen einmal nicht, dann werden ältere Menschen, die nie mit elektronischen Zahlweisen gearbeitet haben, ebenfalls vom Zahlungsverkehr ausgegrenzt. Weil sie diese Technik nicht verstehen. Was wird mit ihnen? Werden diese über Vormundschaftsgerichte Entmündigt? oder wie soll das funktionieren.

    Tut mir leid, bei allen digitalen Euphorien; ich bin gegen den vollständigen bargeldlosen Zahlungsverkehr. Es gibt zu viele Probleme, die gegenwärtig NICHT geklärt werden können.

    Viele Grüße
    Peter

    • Reisefieber sagt

      Hallo Peter,
      als die Meldung von „Schweden schafft das Bartgeld ab“ habe ich mich furchtbar erschrocken. Ich konnte und kann mir das nicht vorstellten. Es war nicht schwierig mit der Kreditkarte zu zahlen aber ich möchte das Bargeld auf keinem Fall missen. Der Bürger wird gläsern und besser manipulierbar.

      Auch in Schweden gibt es nicht nur Befürworter! Die Gesellschaft ist geteilt. Laut einer Umfrage sollen 2/3 der Schweden das Nutzen des Bargelds als Grundrecht betrachten (Artikel im Fokus).

      Die Notenbank hat neue Scheine und Münzen rausgebracht und so meine alten im Wert von 50 Euro gerade mal vernichtet. Ich konnte sie auch nicht vor Ort umtauschen, ich hatte in einer Bank gefragt.

      Ganz lieben Dank auch für’s Teilen des Beitrages, der gerne Zur Diskussion anregen soll.

      Liebe Grüße
      Renate

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