Reisegeschichten
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Stadt oder Land, wo will ich leben, was erleben?

Stadt oder Land

Die einen zieht es im Urlaub in die Stadt, andere wollen lieber die Ruhe auf dem Land genießen. Ich bin ein ausgeprägter Städtefan! Es ist nicht so, dass ich nicht gerne auf Reisen Naturschönheiten bewundere, aber möchte ich auch da wohnen? Ein Leben auf dem Land kann ich mir nicht vorstellen. Stadt oder Land – wie ist das bei dir?

Stadt oder Land – Ilona greift in ihrer Blogparade dieses interessante Thema auf. Ihr Artikel „Stadtlust, Landfrust oder wo ich hingehöre?“ hatte viele Fragen und Meinungen hervorgerufen. Wir haben gemeinsam diskutiert. Sicher hängt es davon ab, wie du aufgewachsen bist. Viele meiner Freunde/Freundinnen, die in Dörfern groß geworden sind, können sich ein Leben in der Stadt nicht vorstellen.

Lange Zeit gab es bei uns in der Region eine Stadtflucht. Besonders Familien mit Kindern zogen auf das Land. Bauplätze waren hier bezahlbar und reichlich vorhanden. Das Leben für die Kinder gut. Die Eltern nehmen dafür lange Fahrtwege mit dem Auto zu einem Arbeitsplatz in einer Stadt auf sich. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit ist in vielen ländlichen Regionen in Rheinland-Pfalz schwierig bis unmöglich. Aber was ist für dich Stadt, was ist Land?

Dorf oder Kleinstadt, alles ist relativ!

Was bei dem einen noch ein Dorf ist, ist bei dem anderen schon eine Kleinstadt. Ich bin in den 60ern in einer Kleinstadt aufgewachsen. Meine Stadt hatte mit der Eingemeindung der umliegenden Dörfer auf den Hunsrückhöhen rund 17.000 Einwohner. Wir hatten kein Auto, brauchten wir auch nicht. Ich konnte bequem zu Fuß in den Kindergarten und später in die Schulen gehen, während die Kinder aus den Dörfern mit Bussen und der Bahn anreisten.

Es gab viele Bäckereien, Lebensmittelgeschäfte und alle Dinge des täglichen Bedarfs in direkter Umgebung. Ich bin als Kind noch mit der Milchkanne zum Einkaufen geschickt worden. Wir hatten einen Schmied gegenüber, der manchmal Pferde beschlug, Kühe auf der Wiese vor unserer Schule und einen Metzger, der noch selbst schlachtete. Manchmal sah ich, wie die Tiere im Anhänger angeliefert wurden. Stadt oder Land - Kuwiese

Wir spielten auf der Straße Federball, konnten auf besagter Kuhwiese jeden Winter Schlitten fahren. Rund um die Kleinstadt gibt es einen großen Stadtwald. Wir spielten gerne ohne Aufsicht im Wald, verwilderten Gärten und der freien Natur. Wenn wir mit der Mutter am Sonntag Ausflüge machten, fuhren wir mit der Sesselbahn, mit dem Boot über den Rhein, besichtigten die vielen Burgen oder fuhren auch mal mit der Bahn in die Stadt. Es gab zwei Kinos und die Volkshochschule. Wir haben nichts vermisst! Aus heutiger Sicht wäre ein so kleiner Ort mit diesen Bedingungen eher dem Land zuzuordnen.

Kleinstadt Boppard

Blick von der Sesselbahn auf Boppard

Die vermeintliche Ruhe auf dem Land

Dann wurde es schlimmer! Nach meiner Ausbildung zogen mein Mann und ich in ein kleines Dorf (1000 Einwohner). Immerhin es gab noch einen Bäcker, einen Supermarkt, Tante-Emma-Laden und eine Metzgerei. Nur Ruhe gab es auf dem Land nicht! Da ist so manche Straße in New York ruhiger! Wirklich! Vor unserem Haus führte die Hauptstraße entlang, auf der der gesamte Verkehr durchführte. Mit Autos, Lkws, Motorrädern, Traktoren und diesen lauten Quads rasten die Einwohner den ganzen Tag hin und her. Ein Buch lesen im Garten? Unmöglich! Fernseh schauen oder Musik hören bei offenem Fenster? Never ever! Ansonsten wurde gemäht, gebohrt, gesägt – es gibt immer etwas zu tun!

Das Land kann ja so einsam sein!

Bei Spaziergängen trafen wir außer Hundebesitzern und Familien mit Kinderwagen keine Menschenseele, auch nicht am Wochenende. Hallo, lebt hier jemand? Ab und zu sah ich jemand hinter den Gardinen spinxen. Immer die gleichen Feld- oder Waldwege sind auch nicht so meine Sache. Ich brauche Abwechslung! Ohne Auto kam ich nirgendwo hin. Abends etwas trinken? Nur zu Hause oder mit Taxi möglich. Oft fuhren wir am Wochenende an den Rhein, nur um beim Spazieren gehen auch auf Menschen zu treffen. Einsamer Mann auf der Straße

Bin ich eine Stadtpflanze?

Was war ich froh, als wir wieder in meiner Kleinstadt wohnten. Dummerweise ist diese ruhiger geworden. Viele Geschäfte wurden geschlossen oder haben Leerstand. Das Kino wird nur noch privat betrieben. Selbst die Kneipendichte ist geschrumpft. Immerhin ich kann wieder zu Fuß gehen. Es gibt Restaurants, Weinstuben und meinen geliebten Rhein. Besucher aus aller Welt kommen mit Kreuzfahrtschiffen, Busreisende besuchten die Stadt. Im Sommer ist Leben!

Nur mit Kultur sieht es bei uns eher düster aus. Ich muss wieder in die nächsten Städte fahren. Das sind Koblenz 17 Minuten, Mainz 1 Stunde, Köln oder Frankfurt ca. 1,5 Stunden mit dem Auto. Zum Glück gibt es auch gute Bahnverbindungen.

Städtetrips in alle Welt

Ich liebe Konzerte, Festivals und Museen. Ich schlemme mich gerne durch die Küchen aller möglichen Nationen. Im Urlaub will ich mich nicht ausruhen, ich möchte etwas sehen und erleben. Per pedes streife ich durch die Straßen, lasse die Dinge auf mich zu kommen und schaue mir die Leute vom Straßencafé aus an. In einer Stadt fühle ich mich erst so richtig lebendig. Bei meinen Besuchen tanke ich auf. Es ist so, als würde ich die ganze vibrierende Energie in mich aufsaugen.

Damit mir daheim nicht auf die Dauer die Decke auf den Kopf fällt, liebe ich es, Städte zu besuchen. Letztes Jahr waren wir 10 Tage in Toronto und für einen Tag oder ein Kurzwochenende in London, Tübingen und vor und nach einer Kreuzfahrt in Miami.

Stadt oder Land?

Würde ich gerne in einer Stadt leben? Ja, ja und ja! In Deutschland würde mich Hamburg reizen. Ansonsten würde ich gerne einmal in London oder New York leben und sei es nur für ein Jahr! Warum ich das nicht tue? Familie und Arbeitsplatz, ich kann ja schlecht alleine weggehen. Aber sollte ich einmal im Lotto gewinnen oder der große Geldregen kommen, so eine Stadtwohnung wäre schon toll! Bis dahin habe ich noch meine Städtereisen.

Stadt oder Land, Nachteule auf Reisen

Nachteule auf Reisen

Fazit:

Dorf ist nicht gleich Dorf, Stadt nicht gleich Stadt. Es gibt wunderschöne Dörfer in idyllischer Lage, die eine gute Verkehrsanbindung an die Stadt haben. Städte können klein oder groß, für den einen sind sie hektisch, der andere liebt dieses Leben.

„Was dem einen sin Uhl, ist dem anderen sin Nachtigall.“ sagt das schöne Sprichwort. Au weh, eine Eule bin ich auch noch. Wie sieht das bei dir aus?

9 Kommentare

  1. Ach, ich kann sogut nachempfinden, was du schreibst! Deine Kleinstadt ist allerdings nur wenig größer als meine niederbayerische Pampa 😀 Ja, was für die einen eine Kleinstadt ist, ist für die anderen ein Dorf.

    London oder New York würden mich für kurze Zeit auch mal reizen, um das Leben dort auszuprobieren.
    Mir geht es da wie dir: „In einer Stadt fühle ich mich erst so richtig lebendig. Bei meinen Besuchen tanke ich auf. Es ist so, als würde ich die ganze vibrierende Energie in mich aufsaugen.“

    Schön, dass Du dabei bist!

  2. Reisefieber sagt

    Liebe Ilona,
    es ist mir ein Vergnügen! 🙂 Ach ja, so einige Zeit in London oder New York leben, das wäre schön! Ich weiß nicht, ob ich es immer da aushalten würde. Aber mit einer kleinen Wohnung und mehr ausgehen, käme ich klar. In manchen Stadtvierteln ist es wirklich ruhig. Tiefes Seufzen.

    Das Vorschaubild ist mit Absicht ein bisschen sarkastisch gewählt. Ich fand die Schäfchen einfach zu süß. Mööö

    LG
    Renate

  3. Ein tolles Thema, was zum nachdenken anregt 🙂
    Ich kann deine Ansichten total nachvollziehen. In einem richtig kleinen Dorf könnte ich nicht leben. Zu wenig Mobilität und zu ruhig, aber ich würde auch nicht in eine Großstadt ziehen wollen, wenn ich Kinder habe.
    Momentan lebe ich in einer Großstadt und ich bin weder unglücklich noch sehr glücklich darüber. Es ist halt da. Ich find’s toll, dass ich so viele Einkaufsmöglichkeiten habe und auch kein Auto brauche, aber dafür sieht es hier nicht so schön aus (zu viel grau) und ich finde die Jugendlichen hier… naja..
    Deswegen möchte ich meine Kinder hier auch nicht aufwachsen lassen. Später werden sie mehr von der Umwelt beeinflusst und ich will auch, dass meine Kinder so eine Kindheit haben, wie du sie bei dir im Post beschrieben hast. Das finde ich schön 🙂
    Deswegen wird es eher eine große Kleinstadt oder ein Vorort einer Großstadt. Dann hat man von beidem etwas 😀

    • Reisefieber sagt

      Liebe T’hao,
      deshalb ziehen auch viele Familien auf’s Land. Wenn die Kinder aus dem Haus sind, zieht so mancher wieder in die Stadt und will etwas erleben. Für die Kinder fände ich es schön, wenn auch die Kindergärten und Schulen vor Ort sind. Sonst sind sie mit Bus und Bahn bald den ganzen Tag unterwegs.
      Liebe Grüße
      Renate

    • das sagten viele, die bei der Blogparade mitgemacht haben: Sie wünschen sich einen Kompromiss: Eine kleinere Stadt oder eine Vorstadt oder ein öffentlich gut an eine Stadt angebundenes Dorf.
      Ich denke, für kleine Kinder ist es gut, auf dem Land zu sein – wenn es sich dann um Jugendliche handelt, wird es schwieriger: Wie kommen sie zur Schule? Wie wieder heim? Wie können sie ihre Freunde treffen oder am Abend mal mit ihnen ausgehen? Da würden die Jugendlichen wohl gerne näher an der Stadt sein. Deshalb finde ich persönlich die Idee mit Kindern aufs tiefste Land zu ziehen, eher widersinnig – Kinder bleiben ja nicht auf ewig klein. Und deshalb entscheiden sich wohl viele für einen Kompromiss, von dem jeder was hat 🙂

      (aber bei dir in der Stadt siehts doch schön aus :-O Zumindest die Altstadt – der Rest weniger – ist ein Traum 🙂 )

  4. Reisefieber sagt

    Liebe Ilona,
    meinst du mich oder Thao mit dem schönen Ort. Ja, Boppard ist wirklich schön. Wir leben hier vom Tourismus. Im Sommerhalbjahr herrlich, nur ab November wird es seeeehhhhr ruhig.

    Bei Kindern kann ich selbst nicht mitreden. Aber spätestens bei den Jugendlichen auf dem Land sind Mama und Papa sehr als Taxi gefragt. Auch die Fahrzeit und -kosten zur Arbeit sollte man nicht außer Acht lassen.

    LG
    Renate

  5. Pingback: Von Landeiern und Stadtkindern: Auswertung der Blogparade | wandernd

  6. Sehr schöner Post, ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und habe es dort einfach immer gehasst. Klar man ist näher an der Natur, aber alles andere hab ich gehasst. Ich war jung und wollte was erleben, das gibt es auf dem Dorf einfach nicht.
    Nun bin ich zum studieren in eine von Deutschlands Großstädten gezogen: Hamburg. Und ich fühle mich pudelwohl. Manche Leute sind einfach Stadtmenschen, andere Landmenschen. Man muss finden was am besten zu einem passt.
    Was Urlaub angeht mag ich am liebsten immer ans Meer fahren, ob Stadt oder Land ist mir dann egal, Hauptsache nahe der Natur.

    • Reisefieber sagt

      Liebe Eva,
      ah Hamburg, da wollte ich auch nicht mehr weg. Ich liebe diese Stadt und versuche mindestens einmal im Jahr hinzufahren. Und von da ist man in 3 Stunden mit dem Zug auf Sylt. Da habe ich als Kind das erste Mal das Meer gesehen. Manche Städte sind nicht nur schön, sie bieten auch noch ein tolles Umland mit vielen Möglichkeiten.

      Ich will nicht mehr aufs Land.

      Liebe Grüße
      Renate

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