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Tübingen, zwischen Hesse und Herrgottsbescheißerle

Tübingen

Auf den Spuren von Hermann Hesse, einem Herrgottsbescheißerle und üppigen grünen Parks. Spaziere durch die malerische Altstadt der schwäbischen Studentenstadt Tübingen. Die Stadt der Dichter und Denker erlebst du entspannt bei einer Fahrt mit dem Stocherkahn auf dem Neckar oder beim Weizenbier im Biergarten.

Das Erste was mir auffällt, als ich aus dem Bahnhof heraustrete, sind die vielen Fahrräder. In Massen stehen sie rund um das Bahnhofsgelände. Was im Grunde kein Wunder ist. Die Universitätsstadt Tübingen ist durch die vielen Studenten nicht nur eine sehr junge Stadt, sie hat auch einen grünen Oberbürgermeister, Boris Palmer. Rund 29.000 Studenten sollen es sein bei einer Einwohnerzahl von 84.000. Allerdings sind die Wege zum Radfahren häufig steil.

Die Stadt der Dichter und Denker

Seit dem 19. Jahrhundert gilt Tübingen als literarischer Ort. Der Dichter Friedrich Hölderlin lebte hier, Hermann Hesse, Eduard Mörike, Ludwig Uhland und viele weitere bekannte Namen. Ebenso arbeiteten hier Forscher wie der Astronom Johannes Kepler oder Alois Alzheimer, der Entdecker der Alzheimerschen Krankheit. Die Liste bekannter Persönlichkeiten ist lang.

Eintauchen in die Altstadt von Tübingen

Bekanntestes Fotomotiv und Wahrzeichen der Stadt Tübingen ist die malerische Neckarfront mit dem Hölderlinturm, den Fachwerkhäusern und Trauerweiden. Im Hölderlinturm lebte der Dichter von 1807 bis 1843. Sanft plätschert der tiefgrüne Neckar. Ab und zu fährt ein Kanu oder ein Stocherkahn vorbei. Eine Idylle, die zum Malen anregt, wenn ich gerade Zeichensachen oder eine Staffelei dabei hätte. Eine 360-Grad-Ansicht der Neckarfront kannst du unter Tübingen-Panorama bewundern.

Hinter der Neckarbrücke beginnt die eigentliche Altstadt mit engen Gassen, Fachwerkhäusern mit spitzen Giebeln sowie kleinen Boutiquen, Ökoläden mit alternativen Angeboten. Der Stadtkern ist liebevoll restauriert, das ein oder andere Haus wird gerade saniert. Hier wird nicht, wie in manch anderen Städten, Altes abgerissen und durch Betonbauten ersetzt. Der alte Baubestand wird geschätzt, sind es doch die historischen Häuser, die eine Stadt einzigartig machen.

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Hermann Hesse in Tübingen

Bei der Stiftskirche aus dem Jahre 1191 erreichen wir den Holzmarkt. Wichtig für Hessefans, Herman Hesse arbeitete als Buchhändlerlehrling sowie als Gehilfe in der Heckenhauerschen Buchhandlung, einem dunkelroten Fachwerkhaus, von 1895 bis 1899. Hesse verbrachte dort täglich über 12 Stunden. In seiner Freizeit las er Goethe, Lessing, Schiller und Brentano. Seinen Spuren kannst du hier auf Schritt und Tritt folgen. Das Tübinger Hesse-Kabinett, Am Holzmarkt 5 widmet sich seinen literarischen Wurzeln. Wenn du Siddhartha oder eines der anderen Werke Hesses gelesen hast, ist das hier dein Platz.

Der Marktplatz mit dem Rathaus

Das alte Rathaus aus dem Jahr 1435 ist bei unserem Besuch gerade wegen Renovierung eingerüstet. Mich begeistern die Wandmalerei an seiner Außenfassade und die astronomische Uhr, die den Lauf der Gestirne und die Mondphasen zeigt. Morgens findet auf dem Marktplatz häufig ein Obst- und Gemüsemarkt mit regionalen Produkten statt. Die Cafés sind ein gemütliches Plätzchen zum Genießen und Schauen.

Essen gehen in Tübingen

Weil es gerade Mittag ist und wir Hunger verspüren setzen wir uns ins Café Ranitzky. Und was ist man im Schwabenländle? Genau, wir genehmigen uns eine heiße Brühe mit frischen Maultaschen! Lecker! Unser Freund Klaus, der in der Stadt wohnt, empfiehlt z.B. die Wurstküche, Am Lustnauer Tor 8, mit typischen schwäbischen Gerichten wie „Flädlesupp“, „Herrgotsbescheißerle“ oder „Ammertäler Käs’spätzle“. Bei unserem Besuch war das Lokal gerade voll und kein Platz zu ergattern. Verhungern wirst du in Tübingen nicht, egal ob Vegetarier, Veganer oder Liebhaber der heimischen oder internationalen Küche. Die Touristinformation präsentiert in ihrer Broschüre „Essen und Trinken“ die Vielfalt der Lokalitäten.

Maultaschen in Brühe in Tübingen

Einmal Herrgottsbescheißerle bitte.

Was ist ein Herrgottsbescheißerle?

Du weißt nicht, was es ist? Ganz einfach – es sind die Maultaschen. Um dieses schwäbische Nationalgericht rankt sich folgende Anekdote. Während des 30-jährigen Krieges bekamen die Mönche des Klosters Maulbronn Fleisch geschenkt. Da gerade Fastenzeit war, waren sie unsicher, was sie machen sollten. Waren sie doch sehr hungrig und verspürten großen Appetit auf das Fleisch. In ihrer Not hackten sie das Fleisch klein und vermischten es mit Kräutern und Spinat aus dem heimischen Garten. In Teigfladen eingerollt, konnte der Herrgott ihrer Meinung nach nicht sehen, was sie aßen.

Einkaufstipp für Musikfreunde

Läden für Schallplatten und CDs nehmen immer mehr ab. Selbst große Institutionen wie Tower Records haben ihre Geschäfte geschlossen. Eine Ausnahme ist hier Rimpo Tonträger in der Ammergasse 23. Hier findest du neben einer guten Beratung eines Musikfreaks, noch eine große Auswahl an Tonträgern aus Rock und Pop. Schau mal rein, wenn du in der Stadt bist.

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Parks in Tübingen

Tübingen ist grün. Zwischen alten, mächtigen Platanen spazierst du in der Platanenallee auf der Neckarinsel. Der Alte Botanische Garten inmitten der Stadt bietet grüne Wiesen zum Entspannen und schattige, teils exotische Bäume. Er wurde bereits vor 1809 angelegt, sodass manche Bäume stattliche Ausmaße erreicht haben. Im Park treffen sich viele Studenten.

Im Norden Tübingens findet sich seit 1969 der Botanische Garten der Universität Tübingen. Auf einer Fläche von 10 Hektar kannst du eine kleine Weltreise unternehmen und Pflanzen aus fünf Kontinenten bestaunen. Mich begeistern immer die Gewächshäuser wie das Tropicarium! Da fühle ich mich fast wie im Amazonasdschungel. Das Erstaunlichste: Während andere Städte Eintritt verlangen, ist der Besuch des Botanischen Gartens in Tübingen kostenlos. Einen PDF-Flyer mit Informationen, Öffnungszeiten und Wegeprofil findest du zum Download unter Uni Tübingen Botanischer Garten.

Woher kommt der Stocherkahn?

Was dem Venezianer die Gondel ist dem Tübinger der Stocherkahn. Ein Stocherkahn ist ein längliches Holzboot von 6 bis 16 Metern, welches von einem Mann, dem Stocherer stehend mittels eines Staken angetrieben wird. Die Boote wurden früher von den Neckarfischern genutzt. Studenten entwickelten daraus den typischen Stocherkahn, mit denen sie auch Kahnrennen fahren (jedes Jahr an Fronleichnam). Die früher den Studenten vorbehaltenen Stocherkahnfahrten werden jetzt auch für Gäste angeboten. Gibt es etwas Romantischeres als eine Fahrt über den Neckar?

Stocherkahn Tübingen

Stocherkahnfahren in Tübingen, fast wie in Venedig

Am Abend

Tübingen bietet viele Kulturevents, Konzerte und Stadtfeste. Gut gefallen hat uns das kleine Zimmertheater, Bursagasse 16, welches zeitgenössische Stücke in einem kleinen Raum mit 60 bis 80 Plätzen anbietet. Du bist hautnah dabei! Der Jazzkeller, Haaggasse 15, bietet unterschiedliche Musikrichtungen je nach Wochentag. Im Sommer immer eine Empfehlung ist der Besuch eines Biergartens z.B. des Sudhauses, Hechinger Straße 203 oder der Neckarmüller, Tübingens größter Biergarten am Neckar in der Gartenstraße 4.

Was macht Tübingen so besonders?

Für mich ist es das besondere Flair der Stadt, eine Mischung aus jugendlicher Studentenstadt, historischer Kulisse, ein bisschen Nostalgie und geballtes Wissen. Es geht eine besondere Faszination von diesem besonderem Platz aus, an dem du auf den Spuren historischer Persönlichkeiten wandeln kannst. Du versuchst dich in die Zeit hineinzuversetzen und bist dann wieder im Hier und Jetzt bei einem erfrischenden Weizenbier im Biergarten.

Was du unbedingt in Tübingen machen solltest:

  • einen Rundgang durch die Altstadt (Flyer der Stadtverwaltung besorgen)
  • eine Stocherkahnfahrt
  • ein schwäbisches Gericht essen
  • das besondere Flair im Park und Biergarten genießen.

Tübingen bietet in der Stadt und im Umland noch so Vieles, dass es für viele Tage reichen würde.

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5 Kommentare

  1. Huhu :).

    Ein toller Artikel, Tübingen klingt für mich als Leseratte und Fan von richtig schön alten Innenstädten ja genau richtig. Jetzt hab ich richtig Lust bekommen, demnächst einen Wochenendtripp nach Tübingen zu unternehmen :).

    Vielen Dank und glg Franzi

  2. Pingback: Nominierung: Liebster-Award | Elsewhere&Here – Anderswo und Hier

  3. Reisefieber sagt

    Hallo Kerstin,

    oh, tolle Heimatstadt hast du dir ausgesucht. Ich bin immer wieder gerne da.

    LG
    Renate

    • Stimmt! Tübingen ist absolut toll! Nur leider lebe ich inzwischen auch nicht mehr dort, ich komme nur alle paar Monate zum Familienbesuch dorthin. Meine zweite Heimat ist inzwischen Haarlem in den Niederlanden.

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