Deutschland, Eltville
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Unser Ausflug zum Kloster Eberbach bei Eltville

Kloster Eberbach

Ein Tagesausflug zum Kloster Eberbach oberhalb von Eltville bringt uns seine Geschichte und die Verbindungen zu unserem Heimatort Boppard näher. Wir entdecken die historischen Räume, moderne Kunstwerke und Ausstellungen. Ein Mittagessen in der Klosterschänke rundet den Aufenthalt ab.

Mit der Bopparder Gruppe „Ich bin dabei“ besuchten wir das Kloster Eberbach oberhalb von Eltville. Herr Neckenich bereicherte unseren Ausflug mit seinen profunden Geschichtskenntnissen und erklärte uns wichtige Details des Klosters.

Die Geschichte des Kloster Eberbach

Das Zisterzienserkloster Eberbach geht auf Bernhard von Clairvaux zurück, der in Frankreich ein Kloster gründete. Im Zuge der Erweiterung wurden in Europa zahlreiche weitere Klöster erbaut. So im Jahr 1136 das Kloster Eberbach, das durch den Abt Ruthard und 12 Mönche, die aus Clairvaux entsandt worden waren, gegründet wurde.

Bis 1998 gehörte das Kloster dem Land Hessen, seitdem ist die gemeinnützige Stiftung Kloster Eberbach Träger des Klosters.

Die genaue Abfolge der Historie kannst du hier nachlesen.

Die Zisterzienser

Das Leben der Zisterziensermönche war recht streng. Es wurde durch Askese, einem fest geplanten Alltag und Ordensregeln geprägt. So schliefen die Mönche in feuchten, ungeheizten Räumen. Es gab einfache Nahrung und ein Sprechverbot. Im Grunde wechselten sich Arbeit und Gebete ab. Man kann es sich heute nur schwer vorstellen, daß sich viele Menschen für dieses harte Leben interessierten.

Die Laienbrüder

Dabei war es nicht so einfach, im Kloster Eberbach Mönch zu werden. Männer aus ärmeren oder bildungsfernen Familien blieb nur die Möglichkeit, als Laienbruder (Konversen) tätig zu werden. Die Konversen durften keine Bücher besitzen. So blieb ihnen nichts anderes übrig, als die wichtigsten Gebete auswendig zu lernen. Mönche und Laienbrüder wurden separiert, sie lebten in getrennten Gebäuden.

Dafür blieb schwere körperliche Arbeit an den Laienbrüdern hängen. Sie machten das Gelände urbar, arbeiteten in der Landwirtschaft und im Weinbau. Durch ihre fleissige Arbeit entwickelte sich das Kloster Eberbach zu einem erfolgreichen Wirtschaftsbetrieb. Ende des Mittelalters gehörte das Kloster zu den bedeutendsten Weinhandelsunternehmen in Mitteleuropa.

Der Kapitelsaal

Vom Eingang erreichen wir über den Kreuzgang den Kapitelsaal. Nur in diesem Saal durften die Mönche damals das Wort erheben. Der Versammlungsraum diente zur Besprechung wichtiger Angelegenheiten. In seiner Mitte steht eine Säule, von der aus die verschiedenen Streben in alle Richtungen gehen. Blumenranken zieren die Decke.

Kapitelsaal

Kapitelsaal

Die Basilika

Wir treten in die Klosterkirche ein, die allein schon durch ihre schlichte Größe imponiert. Die dreischiffige Pfeilerbasilika im Stil der Romanik ist 80 Meter lang. Sie wurde im Jahr 1186 eingeweiht. Messen finden heute in der Kirche nur noch selten statt. Die Klosterkirche wird für Konzerte und Veranstaltungen z.B. das renommierte Rheingau-Festival genutzt.

Das Mönchsdormitorium

Das Schlafgemach der Mönche

Mönchsdormitorium

Im Schlafsaal der Mönche, dem Mönchsdormitorium, ruhten bis zu 150 Mönche in ihrer Kleidung auf harten Pritschen. Das beeindruckende 72 Meter lange und 14 Meter breite Gebäude wurde im 13./14. Jahrhundert erbaut. Es wird heute vom Abteimuseum genutzt.

Bei unserem Besuch war gerade eine LEGO®ausstellung, Flashback, mit 1780 Modellen im Museum.

So fertigte Jörg Brormann, Vorsitzender des LEGO® Modellbaufans Rheinland e.V. aus sage und schreibe 100.000 Steinen ein Modell des Kloster Eberbach an.

Kloster Eberbach aus LEGO®

Kloster Eberbach aus LEGO®

Der Kreuzgang

Von dem wunderschönen Kreuzgang sind nur noch zwei Flügel erhalten. Die anderen beiden wurden nach der Auflösung im Jahr 1803 des Kloster Eberfach abgerissen. Die meisten Kreuzgangfenster gingen ebenfalls verloren. Doch die Fensterrahmen bieten zauberhafte Ausblicke auf den Kreuzgarten mit seinem hübschen Brunnen. Schwalben nisten in der Nähe des Kreuzrippengwölbes. Die Schwalbeneltern fliegen eilig ein uns aus, um ihren Nachwuchs zu füttern.

Die Pietà 

Im Kreuzgang stehen wir vor einen leuchtend blauen Fenster, das die Pietà, die Schmerzensmutter Maria mit dem Leichnam des vom Kreuz abgenommenen Jesus darstellt. Eine meiner Schwestern bemerkt bei näherem Hinsehen, dass die einzelnen blauen Teile des Kunstwerks wie Mobiltelefone aussehen. Kann das möglich sein oder bilden wir es uns nur ein?

Bei der Recherche stellen wir fest, daß es sich um ein Werk des Künstlers Thomas Bayrle handelt. Wer sich mit dem Kunstwerk befassen und die Hintergründe erfahren möchte, sollte sich die Seite Kunst im Fokus anschauen.

Das Refektorium

Im Refektorium war früher der Speisesaal der Mönche untergebracht. Die Decke strahlt in zartem Rosa mit barocken Verzierungen. Hintergrund des schönen Raumes ist, dass das Mönchsrefektorium im 18. Jahrhundert neu errichtet wurde. Im Laienrefektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Laienbrüder, ist heute eine Sammlung von historischen Weinkeltern untergebracht. Sie stammen aus der Zeit der Eberbacher Mönche.

Nach dem Besuch des Hospitalkellers, des Klosterladens und der Vinothek speisen wir in der Klosterschänke. Wir entscheiden uns für die sehr leckeren Spinatknödel mit Pilzsoße, Klosterbrot und ein erfrischendes Bier Glaabs Bräu vom Fass.

Schenkungen an das Kloster Eberbach

Spannend sind die Verbindungen zwischen dem Kloster Eberbach und meinem Heimatort Boppard sowie dem Nachbarort Filsen, die wir bei unserer Führung von Herrn Alfred Neckenich erfahren. Eine Schenkungsurkunde der Eheleute Wasmud und Lucgarde von Bobard besagt, dass sie verschiedene Grundstücke u.a. eines bei Vilze (Filsen) im Jahr 1230 dem Kloster Eberbach vermachen. Gleichzeitig handelt es sich um die erste urkundliche Erwähnung Filsen.
Quelle: Filsen Geschichte, Chronik St. Margaretha, Filsen – Eine Pfarrgemeinde am Rhein.

Weitere Weinberge aus Filsen, Osterspay, Brey und Boppard wurden in späteren Jahren dem Kloster Eberbach vermacht.

Ehemaliger Eberbacher Hof in Boppard

Auch Boppard hatte Verbindungen zum Kloster Eberbach, z.B. durch das Ebertor. Im Jahr 1231 schenkten die Eheleute Wasmud und Lukkardis der Abtei Eberbach ein Wohnhaus sowie 14 Weingüter bei Boppard. So wurde die Abtei auch in Boppard tätig. Ein Jahrhundert später, im Jahr 1358, vereinbarten der Abt des Klosters Eberbach und die Stadt Boppard, dass das Kloster für die Zahlung von 100 Mark vor dem Klosterhof ein Tor in die Stadtmauer errichten dürfe, um besser ein- und ausfahren zu können. Fünf Jahre später errichtete das Kloster einen Turm mit entsprechenden Räumlichkeiten über der Pforte. Bei dem Turm handelt es sich vermutlich um den Eberbacher Turm.

Quelle: Otto Volk, Boppard im Mittelalter. In: Heinz E. Mißling (Hrsg.): Boppard. Geschichte einer Stadt am Mittelrhein. Erster Band: Von der Frühzeit bis zum Ende der kurfürstlichen Herrschaft. Dausner Verlag, Boppard 1997, ISBN 3-930051-04-4, S. 282.

Der Eberbacher Hof stand rund 500 Jahre. Im Jahr 1803 wurde er versteigert. Im 19. Jahrhundert erwarb Franz Thonet, Sohn des berühmten Möbelfabrikanten Michael Thonet das Grundstück, um eine Villa zu bauen. Diese wurde am 16. März 1945 durch einen Artillerietreffer in Brand gesetzt. Heute steht auf dem Gelände das Hotel Ebertor mit dem schönen Biergarten. Die Räumlichkeiten im Ebertorer Keller sollen Reste des Eberbacher Hofes sein.

Fazit: Wir haben einen spannenden Ausflug zum Kloster Eberbach verbracht und viele Eindrücken gewonnen. Auch die Verbindungen zwischen unserer Heimatstadt Boppard und dem Kloster sind sehr interessant. 

Übernachten im Kloster Eberbach

Wer mag, kann auch im Kloster Eberbach übernachten. Das ist ideal bei Veranstaltungen, Weinproben oder um die besondere Atmosphäre im Kloster zu erleben. Das Hotel Kloster Eberbach bietet 22 Doppelzimmer. Buchbar über booking.com (Affiliate).

Kloster Eberbach

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5 Kommentare

  1. Hallo Renate

    Was für ein toller Bericht. Habe noch einiges zum Kloster Eberbach dazu gelernt, was mir damals bei meinem Besuch so gar nicht bekannt war.

    Mike

    • Reisefieber sagt

      Hallo Mike,

      das freut mich sehr. Vielen Dank! Bei mir war es der zweite Besuch und auch ich habe einiges Neues erfahren, z.B. die Verbindungen zu meiner Heimatstadt.

      Herzliche Grüße
      Renate

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