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Das Grab der Voodoo Queen Marie Laveau und der St. Louis Cemetery No. 1 in New Orleans

Der St. Louis Cemetery No. 1 in New Orleans, vorne das Grab der Voodoo Priesterin Marie Laveau.

Friedhöfe haben einen morbiden Charme. Besonders sehenswert sind sie, wenn berühmte Persönlichkeiten wie z. B. die Voodoo Priesterin Marie Laveau ihre letzte Ruhestätte fanden. Ihr Grab ist Ziel vieler Neugierige und Anhänger. Der Friedhof selbst war auch Kulisse für so manchen Kinofilm.

Warum besuchen wir auf unserer Städtereise ausgerechnet einen Friedhof, mag so mancher ungläubig rätseln. Gibt es in New Orleans nicht Schöneres zu schauen? Die Stadt hat viele Sehenswürdigkeiten, eine davon ist der St. Louis Cemetery No. 1. Der Friedhof ist so berühmt, dass es geführte Touren dorthin gibt.

Der St. Louis Cemetery No. 1 in New Orleans.

Der St. Louis Cemetery No. 1

Was macht den St. Louis Cemetery so besonders?

Im Rahmen einer Führung besuchen wir zum ersten Mal den berühmten Friedhof in New Orleans, um uns das Grab von Marie Laveau anzuschauen. Sie war die berühmteste Voodoo Priesterin der Stadt. Mark Twain soll den Friedhof Stadt der Toten genannt haben, als er ihn 1883 in seinem Buch beschrieb. Die weißen Grüfte und Tempel gleichen tatsächlich Häusern.

Mit dem Bus wird unserer kleine Gruppe von vier Leuten zum St. Louis Cemetery gebracht. Bis vor ein paar Jahren konnte man den Friedhof noch auf eigene Faust besuchen. Die Gegend war aber eine No-go-Area, viel zu gefährlich! Mittlerweile darf der Friedhof nur mit einer lizenzierten Führerin betreten werden.

Grab auf dem St. Louis Cemetery No 1, das oft als Grab der Marie Laveau ausgegeben wird.

Das ist nicht das Grab der Marie Laveau!

Direkt am Anfang des Friedhofes sehen wir ein Grab mit eingravierten Kreuzen. Es wird von einigen Guides fälschlicherweise als Grab der Voodoo Priesterin ausgegeben, ist es aber nicht. Warum drei Kreuze? Die Anhänger glauben, dass wenn sie sich etwas wünschen dürfen, wenn sie drei Kreuze an dem Grab machen. Dann klopfen sie drei Mal an, stampfen mit den Füßen und drehen sich drei Mal im Kreise. Das ist Grabschändung und mit ein Grund, warum niemand mehr ohne Führung auf den Friedhof darf! Quelle: NDR Voodoo Queens

Die Geschichte des St. Louis Cemetery

Wir erfahren, dass der St. Louis Cemetery No. 1 im Jahr 1789 an der Ecke St. Louis & Basin Street gegründet wurde. Damit ist er der älteste Friedhof von New Orleans. Er beherbergt die Gräber zahlreicher berühmter Persönlichkeiten wie z. B. das von Étienne de Boré, erster Bürgermeister der Stadt und Zuckerbaron.

Der Friedhof wurde damals etwas außerhalb der Stadt auf sumpfigem Gelände angelegt. New Orleans liegt bis zu 1,80 Meter unter dem Meeresspiegel inmitten der Swamps. Bebaubare Böden oberhalb des Meeresspiegels waren zu rar, um sie für Friedhöfe zu vergeuden. Am Anfang wurden die Verstorbenen unterirdisch begraben. Bei Überflutungen kam es immer wieder dazu, dass Leichen herausgespült wurden, was um das Jahr 1830 zu einer großen Epidemie führte.

Umbettung der Gräber von der St. Peter Street.

Umbettung der Gräber von der St. Peter Street.

Auf dem Friedhof findest du einen katholischen und einen evangelischen Bereich sowie einen für die Sklaven. Die freien Sklaven beerdigte man damals entsprechend ihres Glaubens (katholisch).

Art der Bestattung in New Orleans

Seit der Epidemie werden die Verstorbenen oberhalb der Erde bestattet. Anfangs wurden sie in eine Gruft in der Mauer gelegt. Die tropische Hitze der Stadt ließ die Leichname innerhalb nur eines Jahres zu Asche werden. Nach dieser Zeit wurde das Grab geöffnet, die sterblichen Überreste in einem Beutel gelegt und zur Seite gelegt. Der Sarg wurde verbrannt und es war Platz für den nächsten. Quelle: Deutschlandradio

Mauer mit einzelnen Gruften auf dem Friedhof St. Louis Cemetery No. 1 in New Orleans.

Mauer mit einzelnen Gruften

Reiche Familien kaufen eine Familiengruft, in der alle Generationen nach und nach bestattet werden. Sie sind aus weißem Marmor, tragen manchmal Engelsfiguren und schmiedeeiserne Gitter.

Eiserne Gitter am Marmorgrab

Eiserne Gitter am Marmorgrab

Das größte Grabmal des Friedhofes

Eines der schönsten Gräber des Geländes ist das Mausoleum der italienischen Gemeinde. Den Marmor für die Fassade importierte man aus Italien. Das Grab gestaltete Pietro Gualdi, ein italienischer Bildhauer. Es soll im Jahr 1857 bereits 40.000 Dollar gekostet haben. In New Orleans leben viele italienische Einwandererfamilien. Ausgerechnet dieses Grab nutzte Hollywood ungefragt im Film „Easy Rider“.

Filme, die auf dem St. Louis Cemetery No. 1 spielten

Szenen aus den Filmen Cincinnati Kid aus dem Jahr 1965 und Easy Rider im Jahr 1969 spielten auf dem Friedhof. Gerade Easy Rider-Fans werden sich sicher an die Szene erinnern, als die beiden Biker Wyatt und Billy zwei Prostituierte mit auf den Friedhof nehmen. Nach der Einnahme von Drogen beginnt der psychodelische Trip.

Der Friedhofseigner und die Stadt New Orleans waren dann doch unangenehm überrascht, als bei der Filmszene nicht nur Nackte um die Gräber hüpften, sondern die Gräber auch bestiegen wurden. Seit dieser Zeit ist das Filmen auf dem St. Louis Cemetery No. 1 nicht mehr erlaubt. Du kannst dir die Szene auf Youtube anschauen.

Das Grab, das in Easy Rider genutzt wurde, liegt auf dem St. Louis Cemetery No. 1 in New Orleans..

Das Grab, das in Easy Rider genutzt wurde.

Das skurrilste Grab auf dem Friedhof – die Pyramide von Nicolas Cage

Richtig ausgefallen ist eine Pyramide, die sich mitten auf dem Friedhof erhebt. Irgendwie gehört sie nicht hierher. Der Besitzer dieses Grabes ist kein geringerer als der Schauspieler Nicolas Cage. Er soll das Grab im Jahr 2010 als letzte Ruhestätte gekauft haben, als er 50 wurde. Es bereitet sich ja jeder anders auf sein Ende vor!

Das zukünftige Grab des Nicolas Cage.

Das zukünftige Grab des Nicolas Cage.

Nicolas Cage scheint die Stadt zu mögen. So erwarb er auch das gruseligste Haus der Stadt, das Lalaurie Mansion in der 1140 Royal Street. In diesem Haus sollen viele Sklaven von der weißen Hausherrin Mrs. Delphine gequält und ermordet worden sein. Bei einem großen Feuer entdeckte man die wahre Geschichte des Hauses. Nicolas konnte das Haus aus Kostengründen nicht halten. Innerhalb einer Gruselführung standen wir von dem Haus – es ist wirklich die grausamste Geschichte der Stadt!

Das berühmte Grab der Marie Laveau

Unser Guide zeigt uns das Grab der Marie Laveau

Unser Guide zeigt uns das Grab der Marie Laveau.

Dann kommen wir zu dem wohl bekanntesten Grab des ganzen Friedhofes – das Grab der Voodoo Priesterin Marie Laveau.

Wer war diese Frau? Marie war eine freie Frau, die als Tochter eines Kreolen und einer Farbigen im Jahr 1794 geboren wurde. Nachdem ihr Mann, Jaques Paris, starb, arbeitete sie als Friseurin bei den reichen Familien der Stadt. New Orleans Einwohner waren damals katholisch, auch die Sklaven wurden getauft.

Marie Laveau verband die katholische Religion mit ihrem eigenen afrikanischen Glauben. Sie arbeitete als Heilerin und pflegte ihre Patienten. Bei der großen Gelbfieberepidemie half sie als Krankenschwester. Marie kümmerte sich um den Körper und das Wohl der Menschen. So half sie auch mit Liebes-, Schutz-, Schadens- und Geldzauber.

Grabstein der Marie Laveau

Grabstein der Marie Laveau sowie ihrer Tochter Marie Philomene Glapion

Auf dem Kongo Square tanzte Marie Laveau und zeigt ihren Voodookult jedem, der es sehen wollte. Bald war sie eine der berühmtesten Frauen der Stadt. Noch heute genießt sie in New Orleans hohes Ansehen. Mittlerweile legen die Pilger nur noch still Blumen, Kerzen oder Geldscheine an das Grab.

Blumen und Geld am Grab der Marie Laveau

Blumen und Geld am Grab der Marie Laveau

Wir waren mit Gray Line unterwegs und fanden die Führung sehr interessant. Wir können sie nur empfehlen (*Affiliate):

Wo liegt der St. Louis Cemetery No. 1 mit dem Grab der Marie Laveau?

Basin at St. Louis St.
New Orleans, LA 70112
(504) 482-5065

Neighborhood: Treme
Öffnungszeiten: Montag -Samstag 9-3 ; Sonntag 9-12

Weitere Quellen:
Saveourcemeteries

4 Kommentare

  1. Hans-Elmar sagt

    Friedhöfe sind immer Teil der Geschichte einer Stadt oder eines Ortes. Sie sind auch ein Abbild der Kultur des jeweiligen Ortes. New Orleans ist inzwischen die Stadt mit der höchsten Mörderrate in den USA. Daher ist es auf jeden Fall ratsam eine Stadtbesichtigung unter der Führung eines Reiseleiters stattfinden zu lassen. Auf eigene Faust einen Ort zu erkunden ist in sogenannten no-go-Zonen ein echtes Risiko. Als ich 1977 in New York war wurde geraten den Stadtteil Harlem nur mit einem Reriseleiter zu besuchen. Inzwischen ist ein Besuch in New Orleans weitaus riskanter als ein Besuch von New York. Wenn alle Sicherheitsmaßnahmen befolgt werden kann auch eine Reise nach New Orleans ein schönes Erlebnis sein. Vielen Dank für diesen aufschlußreichen Reisebericht.

  2. Hallo Hans-Elmar,
    ja, in New York hat sich einiges getan. Bei unserer ersten Reise trauten wir uns nicht nach Harlem. Auch Teile des Central Parks wurden nicht empfohlen.

    Die Ecke oberhalb der Rampart Street und der Louis Armstrong Park sollte früher komplett gemieden werden. Vor Katrina waren in der Nähe des Friedhofs Housing Projekte, d.h. große Gebiete mit Sozialwohnungen. Diese wurden abgerissen und die Einwohner mehr oder weniger vergrault. Die Stadt hat sich verändert. In manchen Stadtteilen ist es besser geworden, in anderen schlechter. Dennoch gibt es Gegenden, in die man als Tourist nicht gehen sollte. Abends bleibt man besser im French Quarter oder holt sich ein Taxi.

    Der Friedhof selbst ist nur noch mit Führung offen. Wir hatten sogar einen Bustransfer hin und zurück.

    Viele Grüße
    Renate

  3. Toller Bericht, Kompliment liebe Renate. Ich mag Friedhöfe. Bei den Parisreisen mit meinem Mann haben wir oft die Ruhe gesucht und eine kleine Auszeit auf dem Friedhof Momartre genommen. Die Stille mitten in der Stadt hat uns fasziniert. Es heißt nicht umsonst, Friedhöfe sind „steinerne Gärten“.

    Liebe Grüße
    Karin

    • Reisefieber sagt

      Liebe Karin,

      ganz lieben Dank. Ich habe mich auch ganz dolle angestrengt. 😉 In Paris waren mein Mann und ich auch auf dem Père Lachaise, um das Grab von Jim Morrison zu besuchen. Ist schon eine Weile her.

      Interessant sollen auch die Magnificent Seven in London sein. Da war ich bisher noch nicht. Sie liegen etwas außerhalb der Stadt. Es sind große grüne Parks mit altem Baumbestand und vielen historischen Gräbern.

      Liebe Grüße
      Renate

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