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Mein Top-Reiseziel in Deutschland – das Obere Mittelrheintal

Oberes Mittelrheintal bei Boppard

Welches Reiseziel in Deutschland würdest du einem Besucher aus dem Ausland empfehlen? Für mich wäre es das Obere Mittelrheintal und das nicht nur, weil es zufälligerweise meine Heimat ist! Erfahre von einer Rheinländerin, was die Region so besonders macht. 

Ich bin in Boppard am Rhein geboren und aufgewachsen. Als Kinder haben wir am Sonntag mit der Mutter Ausflüge zu den vielen Burgen in der Umgebung gemacht. Mit dem Schiff ging es nach Kamp-Bornhofen zu den Feindlichen Brüdern, zur Marksburg bei Braubach, Rheinfels bei St. Goar oder Schönburg bei Oberwesel. Vom Schiffsanleger wanderten wir die Berge hinauf zu spannenden Burgbesichtigungen, die von Kaffee und Kuchen mit einmaligem Rheinblick gekrönt wurden. Ich habe diese Ausflüge geliebt und bin heute noch Burgenfan.

Die Feindlichen Brüder bei Kamp-Bornhofen

Die Feindlichen Brüder

Das Mittelrheintal ist seit Jahrhunderten ein Sehnsuchtsziel.

Der Mittelrhein zieht seit dem 19. Jahrhundert Reisende an. Viele englische Adelige reisten durch das Rheintal und entdeckten die romantische Landschaft. Ihnen gefiel damals die ursprüngliche Landschaft mit ihren dramatischen Felsvorsprüngen und der wilden Flusslandschaft. In der Romantik wurde der Mittelrhein zum Anziehungspunkt deutscher Reisender. In Bildern und Gedichten wurde die Landschaft romantisiert.

Die Erfindung der Dampfmaschine und mit ihr der Dampfschifffahrt machte das Reisen entlang des Flusses Rhein schließlich bequemer. Bereits seit dem Jahr 1827 transportiert die Köln-Düsseldorfer Gäste im Personen- und Eilgüterdienst, wie es damals hieß, zwischen Köln und Mainz. Dennoch war das Reisen in der Anfangszeit eher den begüterten Familien vorbehalten. Eine Schifffahrt auf dem Rhein ist heute noch ein besonderes Erlebnis! Spartipps zum Schifffahren findest du hier.

Die Goethe, ein Relikt aus dieser alten Zeit.

Der Schaufelraddampfer Goethe legt Zeugnis dieser alten Zeit ab. Er feierte im Jahre 2013 sein hundertjähriges Bestehen. Leider wurde unsere geliebte Goethe, der letzte betriebsfähige Schaufelraddampfer auf dem Rhein, in 2009 auf Dieselbetrieb umgestellt. Bei einer Fahrt kannst du das Schiffsinnere mit dem Schaufelrad durch Glasfenster bewundern. Jeden Morgen um 11 Uhr hält er am KD-Anleger in Boppard, um abends kurz vor 19 Uhr auf der Rückfahrt sein Schiffshorn erklingen zu lassen. Dieser Ruf der Goethe ist für mich fest mit der Rheinlandschaft verbunden.

Der Schauffelraddampfer Goethe

Der Schauffelraddampfer Goethe

Eine Fülle an Burgen, wie sonst kaum in der Welt!

Das Obere Mittelrheintal kann mit seinen Burgen regelrecht protzen, so viele sind es. „Wie viele Burgen gibt es am Mittelrhein?“, wirst du dich vielleicht fragen. Für eine so kurze Strecke von 67 Kilometern ist die Anzahl sehr groß! Rund 30 Burgen, Burgruinen und Schlösser findest du im Oberen Mittelrheintal, davon 16 am linken Rheinufer zwischen Bingen und Koblenz und 14 am rechten Rheinufer zwischen Rüdesheim und Koblenz. Manche wie der Mäuseturm bei Bingen oder die Pfalz bei Kaub liegen auf Rheininseln mitten im Fluss.

Die Pfalz bei Kaub

Die Pfalz bei Kaub

Die meisten Burgen am Mittelrhein wurden im 12. / 13. Jahrhundert erbaut. Sie dienten als Zollstation für die Kontrolle der Rheinschiffe und zur Erhebung des Rheinzolls. Raubritter trieben ihr Unwesen. So manche Burg wurde im 19. Jahrhundert aufwendig restauriert. Große und kleine Burgen- und Mittelalterfans können hier auf Spurensuche gehen! Da gibt es Burgen, die nie zerstört wurden, wie die Marksburg. Große Festungsanlagen mit dunklen Gängen wie die Rheinfels oder Festung Ehrenbreitstein.

Du kannst auf Burgen wohnen und dich als Burgherr oder Burgfräulein fühlen und das in allen Preisklassen von der Jugendherberge bis zum Sternehotel. Bei Mittelalterfesten werden Reiterkämpfe aufgeführt und alte Traditionen zu neuem Leben erweckt. Obwohl ich hier lebe, habe ich noch immer nicht alle Burgen besucht! Ich arbeite aber daran.

Die Loreley, ein mystischer Felsen

Für die einen ist es nur ein weiterer steiler Berg im mittelrheinischen Schiefergebirge mit einer Konzertarena und einem Aussichtspunkt mit Besucherzentrum. Für andere ein Sehnsuchtsziel, der Felsen mit der Jungfrau Loreley, die die Rheinschiffer ins Verderben führte, während sie ihr langes blondes Haar kämmte. So mancher späht auf den Berg und versucht verzweifelt einen Blick auf die holde Jungfrau zu entdecken. Immerhin haben wir ihr ein Denkmal unten am Fluss und eine Miss Loreley gewidmet, eine junge Dame, die die Region im In- und Ausland würdig vertreten soll. Sie wird alle zwei Jahre gewählt. Für manche Rheinländerin, wie Theresa Lambrich, geht hier ein Kindheitstraum in Erfüllung.

Die Loreley an einem nebligen Herbstag

Die Loreley an einem nebligen Herbsttag

Der Text des Loreleyliedes stammt von Heinrich Heine, die Melodie von Friedrich Silcher. „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ singen textsicher die japanischen Reisegruppen in deutscher Sprache mit, wenn das Schiff den Loreleyfelsen passiert. Weniger romantisch ist die Tatsache, dass die Passage eine der gefährlichsten Strecken des Rheines ist, an der früher viele Schiffe verunglückten, da sich dort Felsen verstecken.

Der gute Rheinwein und die vielen Weinfeste

Die Region des Rheinischen Schiefergebirges ist eine alte Kulturlandschaft. Bereits seit dem 8. Jahrhundert wird der Weinbau auf den Terrassen betrieben. Dabei müssen die Winzer sich über steile Hänge quälen, um dem Schiefer einen guten Tropfen abzugewinnen. Der Riesling ist wieder im Kommen, aber auch Rotwein wird angebaut.

Der Besucher kann den Wein in den vielen Straußwirtschaften der Winzer, in Restaurants und Kneipen testen. Beliebt sind Weinproben und die vielen Weinfeste, die von den einzelnen Orten ausgerichtet werden. In meiner Heimatstadt Boppard findet das Weinfest gar an zwei Wochenenden statt (Ende September und Anfang Oktober). Im Frühling gibt es eine Weinwanderung im Bopparder Hamm.

Weinberge am Rhein im Herbst

Die steilen Weinberge im Herbst

Auszeichnung als UNESCO Welterbe

Im Jahre 2002 feierte das Obere Mittelrheintal seine Aufnahme in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO. Die Auszeichnung würdigt eine einzigartige Kulturlandschaft mit ihren Höhenburgen, dem Wein, kulturellen Schätzen und der Romantik. Damit verbunden ist auch eine Verantwortung gegenüber dieses Titels. So darf nicht verschwiegen werden, dass der Rhein mit alltäglichen Problemen wie dem lärmenden Zugverkehr oder dem Für und Wieder einer Rheinbrücke zu kämpfen hat.

Paradies für Wanderer und Radfahrer

In den letzten Jahren wurde viel für Wanderer und Radfahrer getan. Die Radwege entlang des Rheins wurden verbessert. Wanderwege wie der Rheinsteig oder die Traumpfade wurden angelegt. Ob du es lieber gemütlich magst oder sportliche Leistungen suchst, für jeden ist etwas dabei. Kletterer können den alpinen Klettersteige in Boppard probieren.

Blick auf Burg Katz

Blick vom Rheinsteig auf Burg Katz

Zusammengefasst ist das Obere Mittelrheintal noch immer ein faszinierendes Reiseziel, das einiges zu bieten hat. „Wohnen, wo andere Urlaub machen“ ist die Überschrift so mancher Wohnungsanzeige am Rhein. Ich genieße es, hier zu leben und freue mich bei Spaziergängen durch die Stadt über die vielen Besucher aus aller Welt die Leben in das sonst vielleicht ein bisschen zu ruhige Städtchen bringen.

In der Blogparade „Sehenswürdigkeiten in Deutschland, das darf man auf keinem Fall verpassen !“ von  Biggi und Flo von phototravellers findest du weitere faszinierende Reiseziele in unserem Heimatland.

11 Kommentare

  1. Hallo Renate,

    wow, ich wusste gar nicht, dass es da so viele Burgen gibt. Sehr sehr schön!

    Liebe Grüße
    Florian

    • Reisefieber sagt

      Lieber Florian,
      vielen Dank. Ja, wir haben eine sehr hohe Burgendichte! 🙂

      LG
      Renate

  2. Wunderschön. Nächstes Jahr oder übernächstes Jahr plane ich auch mal eine Fahrt den Rhein entlang 🙂 Danke für die Inspirtation und die Bestätigung, dass es genug Burgen auf der Strecke gibt, um selbst mich glücklich zu machen.
    Viele Grüße
    Maria

    • Reisefieber sagt

      Liebe Maria,

      ich bin mir sicher, dir werden die Burgen gefallen! Wenn du mehrere besuchen möchtest, solltest du dir das Burgenticket anschaffen. Es spart Geld.

      Liebe Grüße und vielen Dank für deinen Kommentar
      Renate

      • Burgenticket? Sowas gibt es? Eine erneute Bestätigung dafür, dass Lesen bildet 😉 Der Tipp ist ja super! Merke ich mir auf jeden Fall.
        Liebe Grüße
        Maria

        • Reisefieber sagt

          Liebe Maria,

          ich habe gerade noch einmal geschaut. Das mir bekannte Burgenticket, mit dem du 10 Burgen günstiger besichtigen konntest, wurde in 2012 eingestellt. Schade! Man arbeite an einer Gästecard. Sobald ich mehr weiß, folgt ein Beitrag.

          Liebe Grüße
          Renate

  3. Ich hatte den Mittelrhein bereits 2 x auf meiner Reiseliste und jedes Mal ist was dazwischen gekommen. Sicher ist, einmal klappt es. Ein Stückchen (Loreleyfelsen) habe ich immerhin bei einem Abstecher schon mitbekommen.

    Danke für diesen schönen Bericht.

    Ganz herzliche Grüße
    Elvira

    • Reisefieber sagt

      Liebe Elvira,

      ja das kenne ich auch von einigen Reisezielen! 🙂 Du schaffst es sicher noch. Ich kann ja noch ein bisschen vorschwärmen, damit du reist. 🙂

      Liebe Grüße
      Renate

  4. Hallo Renate

    Deine Hommage ans Rheintal spricht mir aus dem Herzen.
    Als Meenzer Mädsche bin ich mit Vater Rhein und alles was zu ihm gehört (die großartige Landschaft, der süffige Wein, die herzlichen Menschen, die geschichtsträchtigen Burgen am Handelsweg und und und) quasi von Haus aus verbunden.

    Danke für den umfassenden Post, und bitte noch gaaaaanz viele weitere!!!

    Liebe Grüße, Diane

    • Reisefieber sagt

      Hallo Diane,

      sitze gerade bei einem Glas süffigen Rheinwein hier und freue mich. So ein Fluss ist schon etwas besonderes. Im Dezember wollen wir den Weihnachtsmarkt in Mainz besuchen. 🙂
      Vielleicht sollte ich mich auch dem Rheinthema mehr widmen nach dem Motto: „Warum in die Ferne schweifen, denn das Gute liegt so nah“.

      Liebe Grüße
      Renate

      • Juhu Renate
        Wenn Du magst, melde Dich doch einfach vorher. Vielleicht kann ich Dir ne kleine, private Stadtführung geben. Oder wir prosten uns einfach persönlich mit einem Glühwein zu. Würde mich sehr freuen!
        Liebe Grüße und schönen Sonntag, Diane

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