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Ein Tag in Honfleur und Deauville in der Normandie

Honfleur mit seinem romantischen Hafen gilt als Tor zur Normandie. Deauville ist das historische Strandbad der Reichen und Schönen. Beide Orte lassen sich bei einem Besuch sehr gut miteinander verbinden. Es ist Ende Oktober. Wir verbringen einen Tag an der französischen Küste, um Honfleur und Deauville zu besuchen. Am frühen Morgen nieselt es noch leicht, aber schon bald kommt die Sonne hervor und wärmt uns mit ihren Strahlen.

Die kleine Hafenstadt Honfleur

Bei Honfleur mündet die Seine in den Ärmelkanal, der die Nordsee mit dem Atlantik verbindet. Die kleine Stadt hat Charme. Sie ist ein beliebtes Ausflugsziel, gilt Honfleur doch als eine der schönsten Städte der Normandie. An Wochenenden oder in den Ferien kommen viele Besucher aus dem nur 166 Kilometer entfernten Paris. Dann kann es schon mal recht voll werden. Bei unserem Besuch im Oktober war Honfleur recht angenehm. Es war Nachsaison.

Netze und Leinen im Fischereihafen Honfleur

Netze im Fischereihafen

Vom großen Parkplatz beim Bassin de l’Est spazieren wir in Richtung Innenstadt. Im Fischereihafen machen die Boote der örtlichen Fischer fest, die entlang der Küste Fisch und Krebse fangen. Die Fische sind längst verkauft bzw. unterwegs in die Küche. Nur einige Kisten und Netze erinnern noch daran.

Honfleur ist sowohl See- als auch Flusshafen. Durch die nahe Seinemündung können hier Fischer, Fluss- und Seeschiffe oder auch Segeljachten auf ihrem Weg nach Amerika anlegen.

Die Entstehung der Normandie

Selbst Rollo der Wikinger soll im 9. Jahrhundert mit seinen Nordmännern an der Küste gelandet sein. Nach mehreren Raubzügen und Überfällen in Frankreich bekam Rollo Rouen und Umgebung von Karl dem Einfältigen als Lehen übertragen. Im Gegenzug musste er zum Christentum übertreten und die Region gegen andere einfallende Wikinger verteidigen. Aus dem Herzogtum entstand nach und nach die Normandie. Der Name Honfleur ist skandinavisch. Er geht nicht auf die Blume (Fleur) zurück, sondern auf Flow für kleine Bucht. Quelle: Wikinger-Online

Der Alte Hafen von Honfleur

Wir laufen die Quai de la Quarantaine entlang zum alten Hafen von Honfleur. Das alte Hafenbecken (Vieux Bassin) entstand 1681 unter Ludwig XIV. Wir sind begeistert vom historischen Kinderkarussell aus dem Jahr 1900, das hier vom Frühling bis zum späten Herbst zu bewundern ist. Direkt daneben liegt das weiße Rathaus der Stadt, Mairie. Es schließen sich das Musée de la Marine (Marinemuseum) an, das in der alten Kirche St. Etienne untergebracht ist, sowie das Musée d’Ethnografie (Ethnografie und Volkskunst) an.

altes Spielkarussell aus 1900 in Honfleur

Carussel a Honfleur, das alte Karussell von 1900, ich bin Fan von so historischen Sachen!

Die Häuser von Honfleur

Rund um das Hafenbassin reihen sich die historischen Häuser von Honfleur. Mit Schiefer verkleidete, sehr schmale Gebäude, die oft bis zu sechs Stockwerke haben können. Bei Sonnenschein spiegeln sich ihre Fassaden im Wasser. Der romantische Hafen hat schon viele Künstler wie Monet begeistert, die hier gerne ihre Staffelei aufstellten.

alter Hafen von Honfleur mit schmalen Häusern und Jachten

Honfleur, der alte Hafen mit seinen mehrstöckigen Häusern

Wir schlendern um den alten Hafen. Rund 8300 Einwohner sollen in dem kleinen Städtchen wohnen. Im unteren Bereich der Häuser sind meist Restaurants und Cafés untergebracht, in denen du mit Hafenblick schlemmen kannst. Es werden gerne typisch französische Gerichte wie Crêpes, Fisch und Meeresfrüchte serviert.

zwei Restaurants in historischen schmalen Häusern von Honfleur

Restaurants am alten Hafenbecken von Honfleur

Die Lieutenance

Am Kai ragt die Lieutenance hervor, der Rest eines Kastells aus dem 16. Jahrhundert, das den Hafen bewachen sollte. Im Kastell residierte damals der königliche Leutnant. Neben dem Kastell sind Reste eines alten Stadttores, die Porte de Caen, zu finden.

alter Hafen Honfleur mit schmalen Häusern und Rest des Kastells

Die Lieutenance in Honfleur

Die historische Altstadt

Hinter der Lieutenance durchstreifen wir die vielen schmalen Altstadtgassen von Honfleur. Für die mit Kopfstein gepflasterten Gassen würde ich bequemes Schuhwerk empfehlen! Uns fallen die vielen kleinen Geschäfte ins Auge, die besonders liebevoll dekoriert sind. Sie sind Ideal zum Stöbern. Du findest individuelle Mode und Souvenirs sowie typische Leckereien der Normandie.

Altstadtgasse mit Fachwerkhäusern und zwei Geschäften

Hübsche Geschäfte in der Altstadt von Honfleur

Typisches aus der Normandie Calvados und Cidre

In der Region, dem Département Calvados, werden viele Äpfel angebaut, aus denen Apfelbranntwein (Calvados) und Apfelwein (Cidre) hergestellt wird. Dabei werden Äpfel gepresst und zu Cidre vergoren, aus dem später der Calvados gebrannt wird. Interessant ist auch der Pommeau, eine Mischung aus Apfelsaft und Calvados.

Was wäre Frankreich ohne seinen Käse! Beliebt ist der Camembert de Normandie, der aus Rohmilch gemacht wird. In den Auslagen der Geschäfte locken auch Salzkaramell und süße Kekse. Probieren geht hier über Studieren!

Die Kirche St. Katherine

Als wir die Rue Brûlée hinaufgehen, stoßen wir auf eine recht ungewöhnliche Kirche. Die Église Sainte Catherine gilt als größte Holzkirche Frankreich. Sie wurde im 15. Jahrhundert von Schiffszimmerleuten gefertigt. Sie besteht aus zwei Kirchenschiffen und einem frei stehenden Glockenturm. Schindel aus Kastanienholz schützen die Kirche vor Wind und Wetter.

Türme der Kirche Sankt Katerine

Saint Catherine

Auch ein Besuch des Inneren der Kirche lohnt sich wegen der schönen Dachkonstruktion aus Holz und den farbigen Kirchenfenstern! Saint Catherine ähnelt einem Schiff. Der Glockentum wurde zum Schutz vor Brand getrennt von der Kirche errichtet. Man darf nicht vergessen, fast alles ist aus Holz! Adresse: Place Saint Catherine, Honfleur

Einzel stehender Glockenturm von Saint Catherine Honfleur

Place Saint Catherine in Honfleur

Jardin de Personnalités

Büste des Malers Boudin

Der Maler Boudin

Der Garten der Persönlichkeiten ist ein wunderbarer Platz, um eine kleine Pause zu machen. Wir setzen uns auf eine Bank. Zwischen den vielen Blumen und Sträuchern finden sich Büsten von berühmten Persönlichkeiten wie z. B. dem Maler Eugène Boudin. Er wurde am 13. July 1824 in Honfleur geboren.

Er liebte es, die Natur und das Meer mit den Lichtspiegelungen und Wolken darzustellen. Boudin wurde für Monet zum Vorbild und gilt als Begründer des Impressionismus. Boudin wurde ein eigenes Museum in der Rue Homme de Bois gewidmet. Der Künstler verstarb 1898 in Deauville.

Der Maler möge mir verzeihen, dass ich bei dem Wort Boudin zuerst an die französische Blutwurst denken musste, die wir in New Orleans bekommen haben.

Den Jardin de Personnalités findest du zwischen dem alten Hafen und dem Deich.

Honfleur und seine Künstler

Honfleur lockte seit jeher Künstler an. Maler begeisterte das besondere Licht der Küste. Boudin war einer der Ersten, der im Freien die Landschaft malte. Ihm folgten Claude Monet, Auguste Renoir, Paul Cézanne und viele weitere, die den Impressionismus begründeten. Die Maler trafen sich gerne auf einem Bauernhof in der Nähe, dem Ferme Saint Siméon. In dem Gasthaus ist heute ein sehr schönes Hotel untergebracht.

Auch andere Künstler wie der Komponist Erik Satie, der Schriftsteller Charles Baudelaire oder die Schriftstellerin Françoise Sagan lieben die Stadt. Sie werden auf einer Häuserwand am Hafen geehrt.

Wand mit Bildern von Künstlern aus Honfleur

Die Künstler von Honfleur

Fahrt nach Deauville

Von Honfleur fahren wir mit dem Bus nach Deauville, das ca. 20 Kilometer entfernt ist. Die Fahrt geht über Land. Wir durchqueren kleine Dörfer mit Bauernhöfen. Auf den Wiesen grasen braunbunte Kühe, die ihre Milch für die nicht nur in der Normandie beliebte salzige Butter geben.

Straßenschilder in Honfleur

Hier geht es nach Deauville

Wie aus dem Dorf Dosville ein schickes Seebad wurde

Man möchte es heute kaum glauben, dass Deauville einst ein kleines Bauerndorf mit vielleicht 100 Einwohnern war. Statt wunderbarem Sandstrand gab es hier Morast, Sümpfe und Dünen. Das änderte sich schlagartig, als der Bürgermeister des Ortes im Jahr 1859 die Sümpfe an einen Halbbruder Napoleons verkaufte. Charles de Morny errichtete in nur vier Jahren seine Stadt Deauville.

Straßenpflaster mit Bild von Hockey auf Pfer

Ein Jockey auf einem Pferd auf dem Pflaster von Deauville symboliert die Pferderennbahn

Die Pferderennbahn sowie eine Eisenbahnanbindung an Paris sorgte dafür, dass die Reise einfacher wurde. Die Aristokratie aus Frankreich und der ganzen Welt entdeckten das Seebad. Viele ließen sich schicke Villen im neonormannischen Stil errichten, die wir heute noch in der Stadt bewundern können.

Villa in Deauville

Villa in Deauville

Das Spielkasino sowie Luxushotels förderten die Entwicklung Deauvilles zu einem luxuriösen Seebad.

Das weiße Spielkasino in Deauville

Das weiße Casino Barrière de Deauville

Der Strand von Deauville

Groß und vollkommen leer liegt er vor uns, der berühmte Sandstrand von Deauville. So schön diese Einsamkeit ist, ein bisschen Vorstellungskraft braucht es schon, um sich den Trubel im Sommer vorzustellen. Ob es wohl stimmt, dass Coco Chanel sich für ihr Beige vom nassen Sand des Strandes in Deauville inspirieren ließ?

Einsamer leere Strand

Der Strand von Deauville im Winter

Im Sommerhalbjahr ist der Strand mit seinen bunten Sonnenschirmen ein Markenzeichen der Stadt.

geschlossene Sonnenschirme am Strand

Sonnenschirme von Deauville

Immerhin sind noch einige Kunstwerke eines Deauville Fotofestivals auf dem Strand zu sehen. Das Festival soll hier jedes Jahr stattfinden. Die ansprechenden Fotos von Joel Meyowitz zeigen nicht Frankreich, sondern den Strand von Cape Cod in den USA.

Fotokunst am Strand

Kunst am Strand von Deauville

Les Planches, die hölzerne Flaniermeile

Die berühmte Strandpromenade von Deauville ist 653 m lang. Sie besteht aus teuren Holzplanken, die aus Edelhölzern aus Madagaskar errichtet wurde. Über die hölzerne Promenade aus dem Jahr 1923 lässt es sich herrlich flanieren. Normalerweise ist sie die Meile der Schönen und Reichen. Wer da nicht schon alles entlang spaziert ist, von Josephine Baker bis Gustave Flaubert? Jetzt Ende Oktober ist es leer, der Strand ist verweist.

Die Umkleidekabinen der Stars

Weiße Umkleidekabinen mit türkisfarbenen Türen reihen sich entlang der Strandpromenade. Sie tragen Namen berühmter Filmstars wie Stewart Granger, Janet Leigh oder Johnny Depp. Auch Regisseure sind dabei. All diese Menschen haben eins gemeinsam, sie besuchten das Festival des amerikanischen Films, das in Deauville jedes Jahr im September stattfindet. Schon schade, dass nicht gerade einer von ihnen durch die Tür lugt!

Umkleidekabinen der Stars mit Namensbeschriftung

Die Umkleidekabinen der Filmstars

Die pompejischen Badeanlagen

Bei den pompejischen Badeanlagen handelt es sich um Badekabinen, die einem Wettbewerb im Jahr 1921 zu verdanken sind. Der Architekt Charles Adda ließ sich von den Badeanlagen in Pompej inspirieren. Neben den hübschen Mosaiken und Säulen gab es auch türkische Bäder. Im Sommer ist die Fläche um den Springbrunnen im Innern mit hübschen Blumen bepflanzt.

Türkisfarbene Bodenfliese

Die Pompeiischen Badeanlagen

Hotels in Deauville

Dass die Preise in Deauville nicht ganz billig sind, zeigt mir nicht nur die Speisekarte eines Restaurants am Strand. Das neben dem Spielcasino gelegene Le Normandie Royal Barrière Hotel weist 4 Sterne-Deluxe auf. Ich glaube, ich habe es mal in der Serie Kreuzfahrt ins Glück gesehen. Sehr schön auch von innen!

Luxushotel

Hotel Le Normandy Barrière

Die blassgrüne Holzvertäfelung außen ist ein künstliches Fachwerk.

Einkaufen in Deauville

Hinter dem Spielkasino findest du eine Einkaufspassage mit edlen Boutiquen der Luxusmarken, die kaum Wünsche offenlassen. Richtig gut gefallen mir die kleinen Häuser mit dem Fachwerk. Für mich galt, nur gucken, nicht kaufen!

Shopping in Deauville

Fazit:

Allein für Deauville reicht ein Tag nicht. Es gibt so viele sehenswerte Villen in dem eleganten Badeort zu entdecken. Immerhin bekommt man einen ersten Eindruck! Auch in Honfleur würden wir gerne mehrere Tage verbringen.

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