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Backpacking in Pakistan – 10 Fragen an Anne und Clemens

Backpacking in Pakistan, Interview mit den Autoren und Tipps-

(Buchtipp und Interview) „Backpacking in Pakistan – Unsere Reise durch ein verborgenes Land“ lautet der Titel des spannenden Reiseromans von Anne Steinbach und Clemens Sehi, die durch eines der gefährlichsten Länder der Welt gereist sind. Da stellen sich mir einige Fragen. Ich habe die Gelegenheit ergriffen und die beiden interviewt.

Was mich selbst mit Pakistan verbindet, ist mein Brieffreund Mahmood aus Karatschi. In meiner Jugend hatten wir einen regen, handgeschriebenen Briefwechsel, da ich mein Schulenglisch verbessern wollte. Ein zusätzliches Plus war, dass ich mich mehr für das fremde Land interessierte und so einen kleinen Einblick gewann. Als ich dann das Buch „Backpacking in Pakistan“ sah, war ich gleich neugierig. Wie ergeht es Reisenden, die auf eigene Faust durch dieses Land reisen, das uns in den letzten Jahren mehr durch Anschläge und Terror bekannt ist.

Anne und Clemens waren bereit, ein Interview mit mir zu führen. Hier also die Fragen und ihre Antworten:

1. Warum gerade Pakistan? (Habt Ihr Euch vielleicht gedacht oder?)

Wir lieben es durch Länder zu reisen, in denen wir wirklich noch selbst etwas entdecken können. Gleichzeitig sehen wir uns immer ein wenig in der Pflicht, mit Vorurteilen aufzuräumen, denn wir haben ja eine Plattform, auf der wir zeigen können, wie es in gewissen Ländern wirklich ist. Pakistan stand schon länger auf unserer Wunschliste und wir haben die Lage vor Ort wirklich lange beobachtet bis wir letztendlich die Flüge gebucht haben.

2. Wie habt Ihr Euch auf die Reise nach Pakistan vorbereitet?

Über Pakistan gibt es bis heute relativ wenig Literatur und tatsächlich keinen einzigen aktuellen Reiseführer. Das heißt, dass wir uns gar nicht so wirklich vorbereiten konnten. Wir sind letztendlich nur zu einer Impfstelle gegangen, haben unsere Impfungen aufgefrischt und haben dann einen Hinflug und einen Rückflug gebucht, sowie die ersten beiden Nächte in Islamabad. Alles andere haben wir bewusst offen gelassen, um vor Ort so spontan wie möglich zu sein.

Karte der Route zu Backpacking in Pakistan

Die von Anne und Clemens bereiste Route durch Pakistan

3. Wie habt Ihr die Menschen in Pakistan erlebt?

Die Pakistaner sind unheimlich freundlich und offen. Das hat uns wirklich überrascht, denn letztendlich gibt es seit den 70er-Jahren kaum Touristen im Land und auch heute sieht man wenig Reisende in Pakistan. Trotzdem waren die Menschen extrem offen und gastfreundlich, haben uns stets geholfen, uns häufig zum Tee eingeladen, etliche Selfies mit uns gemacht und uns wirklich behandelt, als wären wir schon super alte Freunde. Kaum ein Land toppt die Herzlichkeit der Pakistaner für uns, das war wirklich der Wahnsinn.

4. Als Frau in Pakistan – Anne, gab es für dich besondere Hürden im Land?

Eigentlich nicht, nein. Ich habe Pakistan genau so wahrgenommen wie viele andere muslimische Länder auch. Das heißt, ich habe mich schon vorher auf die Kleiderordnung eingestellt und grundsätzlich nur weite Kleidung eingepackt. In Pakistan gibt es im Vergleich zum Iran keine Kopftuchpflicht. Ich hatte dennoch immer ein leichtes Tuch dabei, das ich mir in besonders konservativen Gegenden einfach über den Kopf gelegt habe.

Ansonsten wurde ich zwar respektvoll behandelt, allerdings hat mir zum Beispiel nie ein Mann die Hand gegeben. Auch durfte ich ab und zu nicht auf Gruppenfotos mit Männern drauf sein. In beiden Fällen hab ich mich aber nicht ausgeschlossen gefühlt, denn auch hier war der Umgang mit mir wirklich respektvoll.

Impressionen aus Backpacking in Pakistan

Impressionen aus Backpacking in Pakistan

5. Gab es Situationen im Land, in denen Ihr Angst hattet?

Angst hatten wir nie, aber es gab eine Situation, in der wir ein mulmiges Gefühl im Bauch hatten. Das war auf der Rückfahrt vom Norden Pakistans nach Islamabad. Die Strecke fasst ca. 500 Kilometer. Wir sind spät am Abend, also in der Dunkelheit, losgefahren und hatten durchgängig eine bewaffnete Polizeieskorte, die uns vorn und hinten geschützt hat. Es gab in der Gegend, durch die wir gefahren sind, wohl mehrmals Überfälle und genau deswegen achtet die Polizei heute einfach mehr auf den Schutz der Touristen vor Ort. Trotzdem war diese Fahrt alles andere als entspannt…

6. Was ist ein absolutes No-Go für Reisende in Pakistan?

Abgesehen von Blasphemie, die einfach absolut verboten ist im Land, glauben wir, dass man sich als Reisender in Pakistan keinen Gefallen damit tut, wenn man die komplette Reise von vorn bis hinten durchplant. Das Abenteuer Pakistan lebt von Spontanität und genau dafür sollte man einfach immer einen Puffer einbauen. Es reicht wirklich total aus, wenn man sich für die ersten Nächte ein Hotel oder ein Gasthaus bucht und den Rest vor Ort entscheidet.

7. Wo hat es Euch am besten gefallen?

Wir haben uns total in Lahore verliebt. Die Pakistaner selbst sagen, dass man Pakistan nicht kennt, wenn man Lahore nicht erlebt hat – und genau so ist es. In der Altstadt von Lahore wird man von so vielen Eindrücken überwältigt, dass man wirklich ein paar Tage braucht, um einfach anzukommen. Gleichzeitig gibt es enorm viel zu entdecken in Lahore – von Sehenswürdigkeiten über Märkten bis hin zu der wirren Grenzzeremonie, die jeden Abend an der Grenze zu Indien stattfindet.

8. Würdet Ihr diese Reise mit Eurer heutigen Erfahrung noch einmal machen?

Auf jeden Fall! Wobei wir wahrscheinlich noch einen Monat länger bleiben würden, um vor Ort einfach mehr Zeit zu haben.

9. Gibt es etwas, das Ihr Reisenden als Tipp auf den Weg geben möchtet?

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Zu einer Reise in Pakistan gehört auch der Austausch mit den Einheimischen und dafür muss man einfach offen sein. Die schönsten Geschichten und die besten Tipps hört und bekommt man eben immer nur von den Menschen, die man vor Ort kennenlernt.

 

10. Wohin geht Eure nächste Reise?

Wir sind durch Covid-19 natürlich auch eingeschränkt und mussten einige Sachen umlegen. Deswegen werden wir in diesem Sommer mal Deutschland und Europa unsicher machen und zuerst ein paar Wochen bei der Familie an der Ostsee verbringen und dann den Süden von Portugal entdecken.

Meine Buchrezension „Backpacking in Pakistan“

Ich habe das Buch verschlungen. „Backpacking in Pakistan“ liest sich spannend bis zur letzten Seite. Ich habe mitgefiebert, bin gefühlt durch Moscheen und über Märkte gegangen und habe mich in Bussen und Pkws durch das Land schaukeln lassen. Wann habe ich schon mal die Gelegenheit, virtuell mit zu reisen, ohne das bequeme Sofa zu verlassen. Selbst für Menschen, die vielleicht nie einen Fuß in das ferne Land setzen werden, ist es spannend oder vielleicht gerade deshalb!

Das Buch ist unter der ISBN-10: 3958893279 im Conbook Verlag erschienen. Es hat 288 Seiten mit einem Fotoinnenteil.  Du kannst es als E-Book oder als Paperback kaufen.

Die Autoren Anne Steinbach und Clemens Sehi

Anne und Clemens sind beide viel gereist. In ihrem Online-Reisemagazin travellersarchive.de findest du Reisen fernab von allgemeinen Trends. Du kannst ihnen auch auf Facebook, Twitter oder Instagram folgen, wenn du nichts mehr verpassen willst.

Die beiden Autoren haben mir dankenswerter Weise das Buch zur Verfügung gestellt. Das beeinflusst nicht meine Meinung zu dem Inhalt. Ganz lieben Dank dafür!

Interview mit Anne und Clemens, den Autoren von Backpacking in Pakistan.

Interview mit Anne und Clemens, den Autoren von Backpacking in Pakistan.

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5 Kommentare

  1. Interessant! Ich war übrigens 1992 knapp 3 Wochen Backpacking in Pakistan als Frau alleine und kann eigentlich alles, was die beiden erzählen, bestätigen. Ich habe unglaublich freundliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt. Allerdings auch ein oder zwei schlechte Erfahrungen gemacht. Mein liebster Ort in Pakistan war das Hunza-Tal, so schön, so offene Menschen!
    LG
    Ulrike

    • Renate sagt

      Liebe Ulrike,
      wow, du warst immer schon mutig! Ich selbst war zwar in Indien, aber noch nicht in Pakistan. Freundliche Menschen habe ich bisher in jedem Land kennengelernt. Wenn man sich auf die Leute einstellt, klappt das meist gut. Ich bin in verschiedenen muslimischen Ländern gewesen.

      Liebe Grüße
      Renate

  2. Uiii, Pakistan reizt mich schon soo lange! Vielleicht nicht unbedingt als Backpacking-Reiseziel, aber irgendwann will ich mal einen Fuß (oder beide…) dorthin setzen. Zunächst sammle ich den Mut und die innere Motivation, da kommen solche Beiträge wie gerufen. Ich glaube, wenn man erst einmal vor Ort ist, ist alles halb so wild, denn die meisten Ängste hat man im Kopf…

    Liebe Grüße
    Kasia

    • Reisefieber sagt

      Liebe Kasia,
      reizen würde mich das Land auch. Wahrscheinlich würde ich selbst ganz normal mit einer Pauschalreise kommen. Ich lese ja unheimlich gerne Bücher über abenteuerliche Reisen, die ich so vielleicht nicht machen würde. Aber ich bin auch keine 20 mehr. Da muss ich auch auf Gesundheit und Bequemlichkeit achten.

      Liebe Grüße
      Renate

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